Alpiner Klub Karwendler Innsbruck

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Nach dem alpinen Intermezzo am Sellajoch benötige ich für mein seelisches Gleichgewicht eine Plaisirtour am Untersberg.

Eigentlich wollte ich ja zum Koppenkarstein, aber an verlängerten Wochenenden wird die immer wieder kehrende alemannische Völkerwanderung zum Problem.

Nach einer kurzen SMS-Anfrage an Christian: Klettern am Sonntag ? –kommt die Antwort: Aber lieber kurz und knackig, als lang und …! Man könnte meinen, das Kolosseum ist ihm zu gut in Erinnerung geblieben.

Nach 2 Wochen Kroatienurlaub sind die Gelenke etwas eingerostet. Dementsprechend ist der Bewegungsdrang groß, nur wie üblich ist das Wetter der einzige Unsicherheitsfaktor. Um 6.15 Uhr in der Früh sitze ich schon am Computer und versuche Sonnenfenster ausfindig zu machen.

Eine Hitze beim Zustieg wie noch nie im November erlebt. Aber die trockene Luft lässt keine Schweißperlen entstehen. Das Ziel ist noch ungewiss, aber bei der Scheibenkaseralm fällt die Entscheidung für die Unendliche Geschichte aus. Wir sind zwar im Zweifel, ob wir das schaffen, aber, da man über die Route wieder abseilt, kann man es wenigstens versuchen.

Schon wieder eine Föhnlage und keine Chance für eine Große Tour am Hochkönig und schon wieder darf der Untersberg als Ersatzziel herhalten. Zum Glück gibt es die eifrigen Erschließer und somit gibt es immer wieder neue Touren. Peter wartet mit dem neuen Topo der „50 plus“ auf und Überredungskünste braucht es bei mir sowieso meist nicht.

Leider ist auf Grund der angekündigten Föhnphase ein Klettern von langen Touren nicht möglich. Somit muss der Untersberg wieder einmal herhalten. Um Christian ein wenig zu fordern muss etwas Ordentliches her.

Das Gespann Josef und Josef hat sich bewährt und zufällig haben sie am Montag Zeit, somit ist die heutige AWP ( After-work-party) gesichert. Um 13.15 Uhr geht es schon mit der Seilbahn hinauf, umringt von Touristen aller Nationalitäten.

Wie schon im letzten Jahr, will es auch heuer mit dem Regen im Frühjahr einfach nicht aufhören. Die Klettersaison ist schon wieder in Gefahr, dabei hätten wir doch so viele Ziele. Aber Jammern bringt auch nichts und so muss ich mir in der kurzen Regenpause die Beine ein wenig vertreten.

Trotz langem Abend reißt es mich bereits um 5.30 aus dem Bett. Die Schlechtwetterfront verzieht sich gerade nach Osten und der Vollmond strahlt. Sofort ist die Müdigkeit verschwunden und leise, um meine Familie nicht zu wecken, krame ich meine sieben Sachen zusammen.