Verdon – Pastis oder Pastistomat ist Pflicht!

So wie de Fernet in Italien, der Whisky in England oder Schottland, der Martini geschüttelt nicht gerührt bei James Bond, so ist der  Pastis in Frankreich das Leib oder Apperitivgetränk schlecht hin. Wer dieses Getränk mag, wird es immer wieder trinken und genießen. Um Klettern zu können und dieses Getränkserviert zu bekommen, soll einfach nach Frankreich fahren. Dies ist der Grund warum ich immer wieder im Frühsommer, oftmals auch noch im Herbst in die Provence komme.

Das wirkliche Zauberwort aber heißt „Verdon“! Wer gern Kalkfels klettert, wird wohl kaum in Europa ein Gebiet finden, welches mit dem Verdon zu vergleichen ist. Viele Menschen wissen, dass es den Grand Canyon du Verdon gibt, wer aber kann genau sagen wo er sich in der Haute Provence versteckt? Mit seinen senkrechten Felswänden, welche bis tief in die Schlucht hinunter führen, ist er für mich ein Schmuckstück der Natur und hier zu klettern bedeutet nicht, lange Anmärsche zu den Einstiegen, nein im Gegenteil, die meisten Touren erreicht man von oben durch abseilen. Ein eigenes Gefühl überkommt mich jedes mal auf’s Neue, wenn ich am Schluchtrand, genauer genommen an der Kante zwischen horizontalem und vertikaem Fels stehe, den Abseilhaken eingehängt habe und die Wände hinunterseile. Ob Schlingenstand oder Beginn einer Kletterroute aus einem „Jardin“, das sind Felsterrassen, welche mit Bäumen, Gestrüpp und oder Blumen bewachsen sind, der Weg aus der Wand führt nur über hinaufklettern. Dies bedeutet, dass man die Schwierigkeitsgrade, welche im Führer angegeben sind, mindestens von Haken zu Haken klettern können muss. Stürze aber sind großteils ungefährlich, denn die meisten Routen sind im senkrechten bis überhängendem Fels eingebohrt. Aber auch das Abseilen und die richtige Route finden, es zieht eine Tour neben der anderen hoch, ist oft nicht ganz einfach. Der Grand Canyon du Verdon liegt am östlichen Rand der Provence, das heißt die Anreise führt durch Italien nach Frankreich. Auch dies Fahrt wird als Sport betrachtet und so fahren wir nicht über die Autobahn sondern die gesamte Strecke auf der Bundesstrasse, das heißt wir sind sechs Personen in zwei Autos. Ungefähr 1000 Kilometer an einem Tag, mit all den vielen und schönen bzw. oder nervigen Ortsdurchfahrt ten. Am Col du Larche erreichen wir die Grenze nach Frankreich dies ist ein Pass mit 1992m.ü. Meereshöhe. Weiter geht’s über den Cold Allos mit 2240m und do erreichen wir, praktisch nur mit Boxenstopp beim Tanken, müde und abgespannt den kleinen provencialischen Ort La Palud, welcher auf ca. 930 Meter Meereshöhe liegt. Unsere Beifahrer sind froh, dass sie noch heil am Leben sind, denn so manche Überholmanöver, ob in den Tunnels am Gardasee oder auf den Passstrassen, waren wohl zu viel Nervenbelastung. Der erste Weg in La Palud führt uns ins Sportgeschäft, um den neuesten Kletterführer zu er-stehen. Aber schon der zweite Weg bringt uns in die Bar am Dorfplatz „Bon jour cinq Pastis et un Pastistomat s’il vous plait“ und das heiß begehrte und schwer verdiente Getränk steht vor uns. Überglücklich wieder hier zu sein, bleibt es nicht aus, dass aus einem ein zweiter und dritter Pastis werden. Wir suchen unser alt vertrautes Platzl, ein Stück vom Ort entfernt, welcher inmitten von blühendem Ginster und gut duftenden Kräutern liegt, auf. Sofort wird gejausnet und noch einiger Wein getrunken. Auch wird im neuen Führer gelesen und eine Route für den nächsten Tag herausgesucht. Hannes und ich entscheiden uns schon in den Morgenstunden in die Schlucht zu seilen um zu klettern, während der Rest unserer Gruppe erst am Nachmittag angreifen möchte. Dies war eine gute Entscheidung, denn der Alkohol hatte am nächsten Morgen seine Wirkung noch nicht verloren. Nachdem wir den richtigen Abseilhaken gefunden haben, geht’s hinunter in die Schlucht. Da wir beim Abseilen ein wenig unaufmerksam sind und schon mehrere Seillängen herunter-gefahren sind wissen wir nicht genau, ob wir schon den tiefsten Punkt unserer Route erreicht haben oder nicht. Um völlig sicher zu gehen, seile ich mich über eine Platte tiefer ab, es kommt eine längere senkrechte Passage und dann wird’s überhängend. Im Nu bin ich einige Meter von der Felswand entfernt. Jetzt ist’s klar, der Stand ober mir ist der Beginn der ersten Seillänge. Nun heißt es handeln, denn die Seile unter mir hängen mit den Enden frei in der Luft. Nach längerem Aufprusiken erreiche ich meinen Partner, der am Stand auf mich wartet. Wir bereiten uns aufs Klettern vor, seilen uns an und nach kurzem „Berg Heil“ steige ich in die Route ein. Traum Fels, scharfe Kanten und Griffe lassen mich rasch höher steigen. Auch die Sonne scheint mittlerweile in die Wand herein. Der weiße Fels leuchtet und wenn man so nach oben schaut, glaubt man, dass die Tour ins Unendliche führt. Kleine Griffe und Finger-löcher in der  fast überhängenden Wand begleiten mich an den ersten Stand. Hannes steigt nach, er ist gleichermaßen vom Tanz in der Vertikale beeindruckt und begeistert. Während er die zweite Seillänge klettert, welche sowohl im gleichen Schwierigkeitsgrad (6b) liegt, als auch von der Schönheit und Ausgesetztheit eher noch phantastischer ist, genieße ich die Ruhe der Natur, den Blick in die Schlucht in der, der Fluss sein Schauspiel liefert. Meine Gedanken gehen an den Ursprung der Entstehung und welche Gewalten am Werk sein müssen um so einen tiefen Einschnitt mit so makellosen senkrechten Felswänden zu schaffen. Plötzlich höre ich Hannes rufen „Stand“. Ich bin wieder zurück aus meinen Träumen und an der Reihe zum Klettern. Jeder einzelne Kletterzug ist ein Wahnsinn und purer Genuss. Wir durchklettern die Tour und kommen gut nach oben. Offensichtlich hat sich das Klettertraining den ganzen Winter hindurch gelohnt. Am Schluchtrand sitzen wir noch überglücklich und schwelgen schon in Gedanken an Morgen und unsere nächste Tour, welche wir uns aber erst noch aussuchen müssen. Der Weg zu unserem Lagerplatz führt natürlich wieder über die Bar am Hauptplatz von La Palud und zu einem Pastis. So verbringen wir eine ganze Woche hier im Herzen der Haut Provence im Kletterparadies schlechthin. Genauso wie die Anfahrt, fahren wir auch wieder nach Hause, auch wieder recht sportlich. Nur wieder bestärkt, dass wir Alle nicht das letzte Mal hier waren, nein unser Motto lautet „Ein guter Klettersommer beginnt im Verdon“.

Wolfi Egger

Wandhöhe: 280m

Kletterlänge: 300m

Seillängen – Schwierigkeit – vorhandene Sicherungsmittel

  1. SL.: 35m 5+ 2BH
  2. SL.: 60m 4   1NH
  3. SL.: 25m 7+ 3BH
  4. SL.: 40m 8- 3BH, 1NH
  5. SL.: 25m 8- 5BH, 1NH 1 A0-Stelle
  6. SL.: 30m 8- 5BH, 8NH 1 A0-Stelle
  7. SL.: 30m 8 2BH, 1NH
  8. SL.: 35m 8- 3BH
  9. SL.: 25m 8- 2BH, 2NH

Material:

60m Doppelseil, 12 Expressschlingen, Keil- und Friendsortiment

Charakter:

Anspruchsvolle Neutour durch die gelben „Zahnzone“ in meist sehr gutem Fels (teils sehr rau!). Abwechslungsreiche Platten- ,Riss- und Verschneidungskletterei.

8- obligat; vollständige Rotpunktbegehung steht noch aus

Im August 2004 von unten eröffnet durch Thomas Scheiber und Hansjörg Auer

Zugang:

Durch das Puitental rechts haltend zum Fuß der Söllerköpfe; das markante Schneefeld von links nach rechts queren und anschließend über großes Band (Steigspuren) zum Einstieg (höchster Punkt, 1 Bühler)

Abstieg:

Vom letzten Stand ca. 30m aufwärts zu Spalt. Von hier 4 mal in östlicher Richtung abseilen (teils über „Altherrehpartie“, eingerichtet!). Nun 40m schräg aufwärts in westlicher Richtung zu grasigem Pfeilerkopf (Kopfschlinge). Jetzt 30m abseilen und weiter über die 2 ersten Seillängen zurück zum Einstieg. Abseilen über die gesamte Route: mühsam!

Patagonien – Cerro Torre – Kompressorroute

Im Dezember 2004 klettern Thomas und Hansjörg während ihres Patagonienaufenthalts über die „Kompressorroute“ in 10 Stunden auf den Gipfel des Cerro Torre (3.102 m).
2 Tage später glückt ihnen noch die Begehung der Route „Claro de Luna“ an der Saint Éxupery.

Ein Auszug aus ihrem Tagebuch:
Die ersten 150 Meter liegen bereits hinter uns. Der Himmel ist zwar leicht bedeckt, aber kein Lüftchen regt sich. Obwohl gestern ungetrübter Sonnenschein herrschte liegt sehr viel Schnee in der Route und die Risse sind zum Teil stark vereist. Der „Banana-Crack“ nimmt uns auf und nach zwei weiteren Seillängen bis zum 6. Grad erreichen wir leichteres Gelände.
Doch glatte Granitplatten, versehen mit einer dünnen Eisschicht und 15 cm lockeren Pulverschnee verlangen höchste Aufmerksamkeit. Wir fühlen uns verpflichtet an einer derartigen Kletterstelle eines unserer beiden Seile hängen zu lassen, um unseren britischen Freunden den Aufstieg zu erleichtern.
Mittlerweile hat sich das Wetter gebessert und voller Auftrieb und Begeisterung klettern wir simultan den 90-Meter-Quergang, welcher uns zum „Icy-Chimney“ hinüberleitet. Gezwungenermaßen legen wir eine Rast ein, wobei wir ungeduldig auf die Ankunft der Briten warten – endlich haben wir wieder unser zweites Seil.
Mixed 6, technisch A2 und Mixed 5 bringt uns zum Beginn der „Ice-Towers“. An bizarren Eisskulpturen vorbei steigen wir höher. Starker, eisiger Wind fährt durch unsere Glieder und lässt die Seile erstarren. Nach den ersten Klettermetern in der „Headwall“ wird uns wieder warm und ich weiß – wir können es schaffen. Unglaublich als wir uns dann über den Kompressor schwingen, der nun schon seit mehr als 30 Jahren hier verankert ist.
Von hier aus gilt es nun die berühmte Bridwell-Länge, den abgeschlagenen Maestri Haken folgend, zu klettern. Nach gefinkelter technischer Kletterei an einigen Rivets, Copperheads und Normalhaken, erreichen wir nach kurzer Zeit das Gipfelplateau.
Der Gipfeleispilz präsentiert sich von seiner besten Seite – 20m/80°. Nach nunmehr 12-stündiger Kletterei, um 16:00 Uhr ist unser Traum dann ausgeträumt – wir stehen am Gipfel. Genau zum Zeitpunkt der Bescherung (20:00 Uhr MEZ) schütteln wir uns die Hände. Wir denken kurz an zu Hause und beginnen sogleich mit dem Abstieg.
Ein Schneesturm, 27 Abseilmanöver und 7 Stunden später erreichen wir müde aber überglücklich das Norweger Biwak.

Auch die Durchsteigung der Aguja Saint Exupery Westwand ist noch geglückt
Drei Tage später gelingt uns noch die Durchsteigung der Aguja Saint Exupery Westwand auf der Route „Claro de Luna“. 22 Seillängen in herrlichem Granit, die durchwegs den 6. bis 7. Grad verlangen, lassen unsere Herzen überschäumen.

Am Fritz Roy waren wir aber leider nicht mehr erfolgreich. Zwei Non-Stop-Versuche vom Bridwell-Camp aus endeten jeweils im Schneesturm.

Nepal Khumbu Durchquerung mit Island Peak (6139m)

Am 16.4. war es wieder mal so weit zusammen mit 3 weiteren Reiseteilnehmern Sepp, Hermann und Miriam und unserem Reiseleiter Steffen hob ich mit dem Flugzeug Richtung Nepal ab. Von der Hauptstadt Kathmandu ging es auf einem Sichtflug per Twinotter weiter nach Lukla, einem der spektakulärsten Flugplätze der Welt. Nach dem wir die Anreise leicht verdaut hatten marschierten wir langsam in zwei Tagen nach Namche Bazar dem Sherpa Zentrum im Solu Khumbu. An den folgenden Tagen ging es über Drag Nack und Macharmo hinein ins Gokyo Tal bis zur Alm Gokyo. Am 9. Tag standen wir dann auf unserem ersten Aussichtsberg dem Gokyo Ri. Das Panorama angefangen von Everest, Lothse, Cholatse, Taboche … war einfach überwältigend und lud zu einer Menge netter Fotos ein. Als nächster Punkt folgte die Überschreitung des Cho La Passes. Dank des wenigen Schnees und des guten Wetters stellte die Überschreitung kein Problem dar. Als Begrüßung auf der Passhöhe erwartete uns ein Traumblick auf den Loboche East und im weiteren Verlauf auf die Ama Dablam. In den folgenden 2 Tagen gingen Hermann und ich über Gorak Shep gleich weiter auf den Kala Pattar. Nach dem wir beide nach einer kalten Nacht in Gorak Shep noch schnell im Everest Basis Lager waren nützte ich die verbleibende Zeit vom Tag und stieg nochmals auf den Kala Pattar. Nachdem die Gruppe in Ding Poche wieder vereint war starteten wir gemeinsam nach Chuckung und weiter ins Island Peak Basislager. Nach einem Tag Pause ging es ans eingemachte und wir begannen pünktlich um 1 Uhr in der Nacht mit dem Anstieg zum Island Peak. Da es in der Nacht etwas geschneit hatte und damit verbunden der Weg auf den Gletscher sehr rutschig war standen wir Steffen, Sherpa Kama und ich alleine am Gipfel des 6139m hohen Island Peak. Imposant war das Panorama mit der Lothse Südwand im Norden, dem Makalu im Osten und der Ama Dablam im Süd-Westen. Wir genossen kurz den Rundumblick und stiegen danach zügig ins Basislager ab wo wir um ca. 13Uhr ankamen. Am darauffolgenden Tag ging ich zum Abschluss des Gipfelreigens zusammen mit Miriam noch schnell auf den Chucking Ri. Am Nachmittag folgten wir dem Weg bei dichtem Nebel bis nach Pang Poche und in den folgen Tagen über Tengpoche und Namche wieder hinaus nach Lukla. Glücklich und zufrieden genossen wir die letzten Tage in Kathmandu bevor wir am 9.4. alle wieder nach Europa zurück kehrten.

Andi Schinner

Zeit: 16.4.06- 9.4.06
Veranstalter: Hauser Exkursionen
Reiseleiter : Steffen Wetzel
Teilnehmerzahl: 4
Teilnehmer: Sepp, Hermann, Miriam und Andi(Ich)

Karakorum Trango Valley 2006

Daten und Fakten Trango 2006

Teilnehmer: Thomas Scheiber, Hansjörg Auer, Matthias Auer, Karl Dung, Ambros Sailer.

Base Camp erreicht am: 14.07.2006

Shipton Spire (ca. 5700 m): Erste Wiederholung der Route „Woman and Chalk“ in der 1200m hohen Ostwand an insgesamt 5 Klettertagen durch Thomas Scheiber, Hansjörg Auer und Ambros Sailer. Überdies war es die erste Begehung dieser Route bis zum Gipfel überhaupt.
Schwierigkeiten: bis 8a (laut Erstbegeher), Eis bis 90°, 36 SL

Nameless Tower (6239 m): „Eternal Flame“ im Alpinstil in 2 Tagen vom Trango Base Camp und in 8h von der Sonnenterrasse bis zum Pfeilergipfel durch Thomas Scheiber und Hansjörg Auer.
Wandhöhe: 800m.
Schwierigkeiten: bis 7c+ (7b, A2), 28 SL.

Great Trango (6286 m): Anstieg über die „Woolums Route“ (Normalanstieg) in 2 Tagen vom Trango Base Camp durch Matthias Auer und Karl Dung.
Schwierigkeiten: 2 bis 3, Eis bis 55°.

Trango Peak (6545 m): Vermutlich erste Besteigung des Gipfels über die 2300m hohe Westflanke an einem Tag vom Shipton Base Camp durch Matthias Auer und Karl Dung.
Schwierigkeiten: M5, Eis bis 55°.

Little Shipton (ca. 5400 m): Neutour „Winds of Change“ durch die 550m hohe Ostwand im Alpinstil und zugleich erste Besteigung des Gipfels durch Thomas Scheiber und Hansjörg Auer.
Schwierigkeiten: bis 7a+, 14 SL.

Erlebnis Karakorum, Trango Valley

Thomas und Hansjörg liegen gerade im Hotel in Islamabad und kämpfen mit der enormen Schwüle. 45° C Lufttemperatur gepaart mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. „Endlich geht es los“, ruft Hansjörg zu ihm hinüber. Die Räder der Expedition beginnen sich zu drehen. Die Vorfreude auf das Trango Valley ist gewaltig. Mit dabei sind noch Matthias, sowie Charly und Ambros.

Morgen geht es weiter nach Skardu. Doch nicht über den sehr langen Karakorum Highway, sondern gemütlich mit einem 45 minütlichen Inlandsflug. Bei traumhaften Wetter genießen sie den Ausblick auf die umliegenden Achttausender wie Nanga Parbat, K2, Gasherbrum usw.

In Skardu treffen sie endlich auf ihr Cargo Gepäck und lassen Schweißperlen auf den Gesichtern der pakistanischen Freunde aufkommen, als sie feststellen, dass das Portaledge fehlt. Sofort verschwinden alle mit lautem Gejammer kommen aber gleich mit einem schwarzen Sack wieder zurück. Sie sind erleichtert.

Allmählich wird ihr Auswurf immer flüssiger bis hin zum kompletten „round up“. Hansjörg, Matthias und Ambros kämpfen mit diesen sehr unangenehmen Symptomen und sie sind froh am nächsten Tag, nach einer 7 stündigen Jeepfahrt, Askole zu erreichen, das letzte Dorf im Shigar Valley. In den nächsten 3 Tagen wandern sie über das Trägerzentrum Paiju und der Zunge des mächtigen Baltoro Gletschers ans Ende des Trango Valley zum Shipton Base Camp (4160m). Ein grünes Hochplateau mit einem Ausmaß von 3-4 Fußballfeldern, klarem Bächlein und einem kleinen See soll nun ihr Zuhause für die nächsten 40 Tage werden. Sie sind die einzige Expedition. In 5 Tagen wird noch ein amerikanisches Team kommen.

In der ersten Zeit ist die Stimmung im Lager beinahe am Nullpunkt. Nicht, weil das Wetter schlecht ist, sondern Ambros leidet an einer akuten Höhenkrankheit. Unvorstellbar, dass es so schnell gehen kann. Den Hubschrauber brauchen sie dann doch nicht, er kann selber in Richtung Baltoro Gletscher absteigen. Kochhelfer Jousuf wird ihn begleiten. In 3 Tagen Ambros kommt wieder. Doch die Expedition soll für ihn nicht so richtig gelingen. Insgesamt wird er noch mit 6 Krankheiten zu kämpfen haben.

Das Abenteuer beginnt – zwar no woman dafür endlich Chalk …

Das Portaledge am Wandfuß des Shipton Spire (ca. 5700m) haben Thomi und Hansjörg bereits installiert. Gut geschützt unter einem kleinen Überhang vor dem doch regelmäßigen Steinschlag werden sie die nächsten Tage hier verbringen. An insgesamt 3 Klettertagen gelingt es ihnen 450m Fixseile bis ins „Bed and Breakfast“, eine kleine Plattform in ca. 4800m, zu legen. Ihre Hände sind zerschunden doch die Kletterei war ein Wahnsinn, wenngleich sie nicht optimale Bedingungen vorfanden, denn einige Stellen der Route waren komplett nass. So können sie bis auf einige wenige Passagen alles frei klettern. Während Thomas und Hansjörg klettern, arbeitet sich Ambi mit dem Haulbag gekonnt hoch. Einig Male muss er zurück um den verklemmten Sack zu befreien, doch er schafft es. Übrigens, auch ein kompletter Haulbagriss am ersten Stand ließ ihn nicht verzweifeln. Der gesamte Inhalt wurde zum Geschoß, doch zum Glück fand er alles wieder. Zusammen bauen sie dann das Portaledge auf, deponieren das Material, seilen zurück zum Wandfuß und steigen sogleich ins Base Camp ab.

2 Tage später brechen sie wieder auf. Fast 3 Stunden benötigen sie für den Aufstieg an den Fixseilen. Es ist brutal anstrengend. Am Nachmittag fixieren Thomi und Hansjörg noch an die 150m mit den Halbseilen und einem kleinen Rest des Fixseiles. Die 3 Seillängen gleich oberhalb vom „Bed and Breakfast“ bleiben ihnen von der gesamten Route am besten in Erinnerung. 7a+, 8a und 7c+ folgen gleich hintereinander. Hansjörg führt den 8a California Crack. Nicht ganz senkrecht, dafür aber mit einer sehr gefinkelten Stelle am Schluss der Länge. In eleganter Piazkletterei geht es weiter, dann erreichen sie leichteres Gelände. Der Weg zum Gipfel ist frei. Sie seilen zurück zum Portaledge.

Um 5:00 Uhr brechen sie dann auf. Ihnen stehen noch 10 Seillängen mit Schwierigkeiten bis 7c bevor. Thomi, Hansjörg und Ambros geben Vollgas. Um etwa 12:00 Uhr steigen sie im Schneetreiben auf den Gipfelgrat aus. Das Wetter hat sich verschlechtert. Bubu Bole hat „Woman and Chalk“ hier beendet. Doch sie wollen unbedingt ganz hinauf und siehe da, der Schneefall lässt nach. 8 Seillängen anspruchsvolle Mixed-Kletterei der Route „Ship of Fools“ trennen sie noch vom Gipfel. Gegen halb vier haben sie es dann geschafft. Sie stehen am höchsten Punkt.

Um 20:00 Uhr, im letzten Schein der Stirnlampe erreichen sie dann nach langer Abseilfahrt wieder „Bed & Breakfast.

Am nächsten Morgen seilen sie dann weiter ab. Alles geht wieder mit. Sie wollen die Route sauber hinterlassen. Das Gewicht der Haulbags steigt wieder. Am frühen Nachmittag erreichen sie dann das Base Camp.

Die „Flame“ steht unter Feuer und schmilzt …

Matthias und Charly kommen am nächsten Morgen zurück. Thomas, Hansjörg und Ambros sehen sie schon aus weiter Ferne und stellen jede Menge Theorien auf, wie es ihnen in „Under Fire“ an der „Flame“ (6300m) wohl ergangen ist. 2003 wurde die Linie von Brian McMahon und Josh Wharton eröffnet Eine steile Granitnadel oberhalb des Hainabrakk Gletschers etwa einen Tagesmarsch vom Shipton Base Camp entfernt.

Doch die Jungs hatten kein Glück. 4 Seillängen kletterten sie in der Route. Doch die Verhältnisse waren derart schlecht, dass die relativ leichten Risse keine Freikletterei zuließen. Komplett naß und vereist bedingt durch eine sehr große Schneewächte am Gipfelgrat. Unter diesen Bedingungen war es einfach sinnlos noch einen Versuch zu starten.

Sie freuen sich dann aber alle riesig, als Matthias und Charly neben der Besteigung des Great Trango (6286m) über den Normalweg, die vermutlich erste Besteigung des Trango Peak (6545m) gelingt. Der Anstieg verläuft in der 2300m hohen Westflanke und bietet Schwierigkeiten bis 55° im Eis sowie M5 im kombinierten Gelände. Sie starten am frühen Morgen des 19. August mit extrem leichten Gepäck. Bereits um 14:00 Uhr haben sie den Gipfel erreicht und genießen die einmalige Aussicht auf die großen Achttausender. Nach einigen Abseilmanövern zwingt ihnen die einbrechende Dunkelheit 900 Höhenmeter oberhalb vom Base Camp noch zu einem Biwak. Am nächsten Morgen erreichen sie dann müde aber überglücklich das Lager.

„Eternal Flame“ – ein Geschenk Gottes…

Thomas und Hansjörg quälen sich gerade das ewig lange Zustiegscouloir hinauf in Richtung Nameless Tower. Nachdem sie gestern Abend im Trango Base Camp gleich zwei Summitpartys erleben durften geht es in ihren Mägen rund. Morgen, so Gott will, wollen sie sich eine Alpinstilbegehung der weltbekannten „Eternal Flame“, erstbegangen von Kurt Albert und Wolfgang Güllich im Jahr 1989, sichern. Am frühen Nachmittag erreichen sie nach 8 Seillängen die Sonnenterrasse in ca. 5500m Höhe. Die Linie von „Eternal Flame“ schaut einfach irre aus. Nach dem Pendelquergang der 1. Seillänge starten die Hand- und Fingerrisse wie aus dem Nichts begrenzt von glatten, strukturlosen Platten.

Doch am nächsten Morgen schaut das Wetter gar nicht gut aus. Der Himmel ist bedeckt und im Süden stehen dicke, schwarze Wolken. Sie wollen es trotzdem versuchen. Die ersten 5 Seillängen sind ein echter Hammer. Kontinuierlich im 8. Schwierigkeitsgrad klettern sie was das Zeug hält. Das Wetter bessert sich nämlich nicht merklich. Der „Nachsteiger-Rucksack“ ist relativ leicht, sodass die beiden ohne Jümar unterwegs sind. „Say my name“, 8+/9-, ein gewaltiger Doppelriss auf knapp 6000m bleibt ihnen in ganz besonderer Erinnerung. Die letzte Seillänge klettern sie bereits im Schneetreiben und nach 8 Stunden Kletterei am frühen Nachmittag haben sie den Pfeilgipfel erreicht. Der Hauptgipfel ist verdammt nahe, nur 80m im 5. Schwierigkeitsgrad trennen sie davon, doch den müssen sich Thomas und Hansjörg heute schenken. Sie seilen ab. Eine Stunde später kehren sie wieder zur Sonnenterrasse zurück. Der von ihnen vermutete Wettersturz ist ausgeblieben. Doch die Freude „Eternal Flame“ geklettert zu sein überwiegt gegenüber dem Nichterreichen des Hauptgipfels deutlich.

„Winds of Change“ – manchmal weht ein anderer Wind …

Seit mehr als 15 Tagen ist das Wetter schon schlecht. Nur einmal hatten die 5 Jungs Ausgang, als ihnen ein ziemlich bekannter Wetterfuchs 4 schöne Tage prophezeite und ihnen riet kräftig in die Hände zu spucken. Doch schlussendlich waren es die schlechtesten Tage überhaupt. Nur gut das beinahe das gesamte Base Camp auf den Beinen war. Matthias, Charly und Ambros waren auf der Sonnenterrasse am Nameless Tower. Thomas und Hansjörg starteten Richtung Little Shipton. Doch außer Schnee und Regen, nicht viel gewesen.

Nichts desto Trotz beglückt sie eine höhere Kraft noch einmal mit zwei wahnsinnig schönen Tagen. Die Mannschaft steht bereits kurz vor ihrem Abmarsch aus dem Lager und Thomas und Hansjörg wissen: „Jetzt oder nie!“

Little Shipton (ca. 5400m), unbestiegen und mit einer sehr steilen über 500m hohen Wand wartet noch befreit zu werden. Mit dem Fernglas haben sie die Route schon auserkoren. Durch den zentralen Teil der Wand soll sie gehen. Doch je weiter sie sich dem Zapfen nähern, desto unwahrscheinlich kommt ihnen der Traum vor. Im Alpinstil ohne Bohrhaken ist hier nichts zu machen. Wir ändern den Plan und finden eine andere Linie. Sie werden im rechten Wandteil starten und dann nach einigen Seillängen über einen Riss an die rechte Begrenzungskante wechseln. Der Fels schaut einfach phänomenal aus. Thomi meint: „Nameless-Like“

Goldgelb leuchtet der Fels in der Sonne über ihnen. Sie erreichen den schwierigsten Teil der Route. Der Quergang zur Kante gelingt ihnen in freier Kletterei, wenngleich Hansjörg in einer nicht absicherbaren Platte einen Bohrhaken schlagen muss. Riss an Riss hängen Sie zusammen, immer dem logischen Weg nach. Vor allem die vorletzte Seillänge bleibt ihnen gut in Erinnerung. Fingerrisse par excellence leiten sie zum Abschlussüberhang, den sie dann etwas rechts überwinden. Sie hinterlassen keine einzige technische Passage, stehen bereits zu Mittag am Gipfel und freuen sich über ihr kleines Werk.

Beim Abseilen erleiden dann beide noch einmal eine Schrecksekunde. Am letzten Stand bricht Hansjörg während der Abseilfahrt der Fixkeil aus. Er kann sich gerade noch halten und einen 50m Absturz in letzter Sekunde vermeiden. Plötzlich merken sie, dass ein anderer Wind weht …

Reinhard Karl über Trango Türme…

Weitsichtig, weil kenntnisreich, hatte Reinhard Karl schon vor vielen Jahren erkannt, dass die Besteigung des Mount Everest wohl mehr Menschen möglich sei, als die Lösung des 5-Meter-Boulderproblems „Midnight Lightning“ im Yosemite. Mit solch extremen Beobachtungen provozierte er gern, wollte positiv anstoßen, zum Denken anregen. Das war ihm wichtig, dem alpinen Romantiker mit Sportlerseele. Vor 10 Jahren, auf dem Weg zum K2, sah er die Trangotürme: Es heißt, diese Berge seien die Zukunft von Yosemite …- vielleicht als Foto, auf dem Sofa liegend betrachtet … – der El Capitan ist dagegen nur ein Turngerüst für Traumtänzer – … Klettern kann hier kein Spiel sein! …“ (aus „Plötzlich zeigt der Atlas wieder weiße Flecken“ – AV Jahrbuch ´91).

Der Dank gilt allen Sponsoren, die das Team bei ihrem Unternehmen tatkräftig unterstützt haben und auch Karl Gabl, der verantwortlich war, dass die Schönwetterperioden optimal genutzt werden konnten – 5 Gipfel und 2 Erstbegehungen waren das Ergebnis!

Team Alpin

Mt. Kenya 2006

Nachdem ich im Sommer 2005 schon den Kilimanjaro anlässlich einer Forschungsreise der Tropical Glaciology Group des Institutes für Geographie an der Universität Innsbruck besteigen durfte, führte mich eine Exkursion desselben Institutes im Winter 2006 erneut nach Ostafrika.
Acht Studenten hatten sich schließlich gefunden, um nach dem Exkursionsprogramm in Uganda und Kenia noch den Mt. Kenya zu überschreiten. Vom Parkgate in Naru Moru stiegen wir in einem tropischen Gewitterregen zur Met Station auf, wo bereits unsere Küchenmannschaft auf uns wartete und wir unsere erste Nacht verbrachten. Am nächsten Tag wanderten wir zuerst durch dunkle Bergregenwälder, die sich nach und nach öffneten und schließlich in ein Grasland übergingen, das mit blühenden Senecien und Lobelien geschmückt war. Die kalte Steinhütte des Mackinders Camp verwandelten unsere Träger und Köche bald in ein gemütliches Lager. Alex und ich marschierten am folgenden Tag bereits auf die Austrian Hut, um einen Gipfelgang auf den Batian zu wagen, während die übrige Mannschaft in einem Rasttag auf Mackinders die Seele baumeln ließ. Das Wetter hatten wir ganz gut erwischt. In der Früh war es immer wolkenlos, vormittags türmten sich bereits die ersten Wolken auf, spätestens am frühen Nachmittag begann es für zwei bis drei Stunden zu regnen. Als wir gegen Mittag die Austrian Hut erreichten, waren wir schon in dichten Nebel gehüllt. Zuvor konnten wir noch einen Blick auf den Batian werfen und waren über die guten, weil trockenen, Verhältnisse erfreut. In einem Graupelgewitter stiegen wir nachmittags noch schnell auf den Point Lenana. Als wir am nächsten Morgen beim Frühstück waren, trafen gerade unsere Freunde ein, die rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf den Point Lenana stiegen und uns dann im Mintos Camp wieder erwarten sollten.
Die Steigeisen notdürftig auf die Turnschuhe geschnallt überquerten wir den Lewis Glacier und erreichten kurz nach Sonnenaufgang den Einstieg. Viel hatte ich gelesen über diese Tour und war nun gespannt, ob Schwierigkeitsgrad, Länge und Anforderung den Führerangaben entsprachen. Wir kletterten am gestreckten Seil, der Fels war fest, die Route war leicht zu klettern und zu finden. Etwas Schnee im oberen, nordwestlich exponierten Teil störte nicht, das Wetter war noch gut. Nach drei Stunden Kletterei erreichten wir schließlich den Gipfel des Batian mit 5188 m. Allerdings waren wir schon wieder in dichte Wolken gehüllt und mussten mit dem Abstieg beginnen. Beim letzten Abseilstand hat uns schließlich doch noch ein Graupelschauer erwischt. Meine Form war blendend, Alex, der in der Früh schon etwas Kopfschmerzen hatte, war schon ziemlich müde. Aber wir konnten uns nicht ausruhen. Wir mussten zurück zur Austrian Hut, unsere übrige Ausrüstung holen und noch ca. drei Stunden zum Mintos Camp absteigen. Dort hatte der Rest der Mannschaft bereits das Lager auf einem herrlichen Platz aufgeschlagen und wir durften endlich unsere verdiente Ruhe genießen. Ein königliches Frühstück brachte auch Alex wieder auf die Beine und unserer letzten (allerdings verregneten) Etappe zur Meru Mt. Kenya Lodge (Bier!) stand nichts mehr im Wege.
Mt. Kenya Überschreitung in fünf herrlichen Tagen von Naru Moru nach Chogoria. Mit dabei: Judith Egger, Elisabeth Henzinger, Daniela Hofer, Martin Mergili, Peter Nagiller, Alexander Schober, Nora Wenk

Bericht: Rainer Prinz (HG Karwendler)

Der Weg durch den Fisch an der Marmolada free Solo

Gestärkt mit viel Selbstvertrauen, startete Hansjörg vergangenes Wochenende in Richtung Marmolada, um sich wieder einmal einen seiner viel geträumten Träume zu erfüllen. Bereits letztes Jahr, (siehe Bericht) kletterte Hansjörg Moderne Zeiten (8-) Free solo. Ist das eigentlich noch zu Toppen? Kaum vorstellbar. Dennoch überrascht Hansjörg immer wieder mit seinem unermüdlichen Datendrang und seinen immer neuen fast unvorstellbaren Ideen.

Der Weg durch den Fisch! Welchen Kletterer oder Alpinisten ist diese mehr als 30 Seillängen emporragende Tour an der Marmolada kein Begriff?

Am Samstag seilte sich Hansjörg Auer über den Fisch ab, den er 2004 schon einmal versucht hat, um die Schlüsselseillängen zu probieren und einzuprägen, bevor er am Sonntag seinen Soloversuch startete.

Bewaffnet mit Kletterschuh und Magnesiumbeutel realisierte Hansjörg Auer nach weniger als 3 Stunden seinen Traum und vollendete das unvorstellbare – eine Solobegehung vom „Weg durch den Fisch“. Mit dieser Leistung hat Hansjörg Auer wohl alpine Geschichte geschrieben …

Das Free Solo Klettern, gerade auf diesem Level, bedarf einer außergewöhnlichen Fähigkeit, mental als auch physisch. Daher – Nachahmung verboten!

http://www.oetztalclimbing.com [Stand 05.05.2007]

Am 11. Juli konnte sich Hansjörg mit seiner Free Solo Begehung der „Modernen Zeiten“ einen lang gehegten Traum erfüllen. Nachdem er die Route im Jahr 2004 und 2005 bereits kletterte, doch aufgrund der „Marmolada-ersten-Seillängen-Fingerkälte“ (… wer einmal war, der weiß Bescheid …) die erste, schwierige Seillänge nie rotpunkt klettern konnte, war es für ihn zu einer besonderen Herausforderung geworden. Mit einer Menge Portion Selbstvertrauen, ausgerüstet mit Helm, Anorak und Magnesiumbeutel stieg er um 10:15 Uhr in die Route ein und erreichte um 12:55 Uhr den Pfeilergipfel. Auch durch eine vereiste Stelle im unteren Teil und einige nasse Passagen in der sehr anspruchsvollen Gipfelwand ließ er sich nicht beirren und kletterte ohne Probleme durch diese einmalige 27 Seillängen lange Route.

Damavand (5.671m)

Was willst du denn im Iran??? Immer wieder hörte ich diese Frage als ich meine Reisepläne offenbarte. Im Gegensatz zu uns, sind die Menschen im Iran hilfsbereit, freundlich, emanzipiert und nicht so mit Vorurteilen behaftet. Leider hört man über den Iran meist nur Negativschlagzeilen und deshalb wird das Bild vollkommen verfälscht. Die Leidtragenden sind dann die Menschen, die sich mehr Touristen wünschen. Davon abgesehen hat der Iran kulturell einiges zu bieten.
Mit freudiger Erregung stand uns der Grenzübertritt in den Iran bevor. Mit dem Minibus fuhren wir an die türkische Grenze. Nachdem die Ausreiseformalitäten erledigt waren, öffnete sich ein 10 Meter langes, robustes Eisentor, welches sich hinter uns aber gleich wieder schloss. Jetzt standen wir in der Falle. Hinter uns und vor uns schwedische Gardinen und nur 1 Meter Platz dazwischen. Nach einigen Minuten öffnete sich aber auch das iranische Gitter und nach kurzer Gesichtskontrolle wurde uns Einlass gewährt. Die Einreiseprozedur dauerte nicht lange und nachdem wir uns als Bergsteiger zu erkennen gaben, wurden wir mit einem „Welcome to Iran“ begrüßt. Das war nicht das einzige Mal das wir willkommen geheißen wurden. Immer wieder hörten wir diese Worte. Mit dem Taxi ging’s dann in das 260 Kilometer entfernte Tabriz. Mit 2 Stunden Verspätung starteten wir am folgenden Tag mit dem Flugzeug nach Teheran. Wir waren schon sehr gespannt auf diese Millionen-Metropole. Viel bekamen wir an diesem Tag leider nicht zusehen. Am späten Nachmittag wurde uns eine Eingehtour auf den fast 4000 Meter hohen Tocal, dem Hausberg von Teheran, angeboten. Also latschten wir wieder los. Hossein, unser gut aussehender Führer, lotste uns den Berg hoch. Erstaunlich, wie viele junge Leute dort unterwegs sind. Wahrscheinlich ist das einer der Plätze, wo sie den strengen Regelungen der Großstadt entkommen können. Überall gibt es Rastplätze und Cafes, die Getränke und Wasserpfeifen anbieten. So was sollte es bei uns auch geben. Wir übernachteten in einem Shelter und nach einem kurzen Frühstück brachten wir die restlichen Höhenmeter bis zum Gipfel hinter uns. Ich wurde dort herzlich empfangen und auch Mona, die in kürze in Graz Musik studieren wird, gesellte sich zu mir. Nach vielen Gesprächen und Fotos stotterten wir mit der Seilbahn wieder zurück ins Tal. Hossein ist ein begnadeter Autofahrer. Frei nach dem Motto: es gibt immer eine Lücke, gab er sein Bestes. Doppelte Sperrlinien wurden ignoriert, links und rechts überholt. Besonders spannend waren die Überholvorgänge in den Tunnels. Auf jeden Fall weigerte sich der gutmütige Erich, auf dem Vordersitz Platz zu nehmen. Wir schafften es ohne Crash bis nach Nandal, unserem Ausgangspunkt für den Damavand. Wir entschieden uns für die etwas schwierigere Nord-Ost Route. Der steile Aufstieg bis zum Shelter verlief problemlos, nur das Wetter schien  nicht so richtig zu wollen. Elmar und ich übernachteten im Zelt, während die Anderen die windgeschützte Behausung bevorzugten. Gipfeltag – Eine Schneefahne am Gipfel zeugte von mäßigen Bedingungen. Aber was soll’s, ran an die Braut. Wie erwartet entsprach das Aufstiegstempo nicht meinen Vorstellungen. Auf Grund einiger tödlichen Abstürze in der letzten Zeit wurde aber vereinbart, als Gruppe aufzusteigen. Der Frust wurde immer größer. Doch wie aus dem Nichts nahte meine Rettung. Zwei iranische Bergführer waren mit 2 russischen Bergsteigern unterwegs. Ohne zu fragen schloss ich mich ihnen an und kurz darauf überholten wir meine ursprüngliche Gruppe. Obwohl fahnenflüchtig, nahmen mich meine neuen Kollegen herzlich auf. Gemeinsam stiegen wir immer höher, entlang des Grates. Bei ca. 5.300 Metern erreichten wir das Schneefeld, welches zum Gipfel führt. Leider betrug die Sicht nur zwischen 0 und 10 Metern. Ich konnte also nicht genau sagen wo sich der Gipfel befindet. Auch die erfahrenen Führer waren sich nicht ganz sicher. Zu meiner Überraschung zog einer der Jungs ein GPS aus der Tasche und schon konnte es weitergehen. Eine Stunde später standen wir auf dem Gipfel des Damavand. Der Schwefelgestank teilweise Atem raubend, freuten wir uns trotzdem über unseren Erfolg. Einige Zeit später trafen auch Elmar und Erich am Gipfel ein. Die Fahrt zurück nach Teheran war fast noch spektakulärer. Das Dunkel der Nacht gab dem Ganzen noch einen extra Kick. Unbeschadet erreichten wir am späten Abend wieder unser Hotel und freuten uns auf Dusche und Bett. Abschließend durfte ich am kommenden Tag noch die Universität von Teheran besuchen. Ich wurde zu einem Öko-Tourismus Vortrag eingeladen und durfte meine Erfahrungen den Studenten vermitteln. Diese waren gar nicht zögerlich und löcherten mich mit allen möglichen Fragen. Es wurde noch ein lustiger Nachmittag, den ich sehr genoss. Am späten Abend wartete schon wieder das Taxi und wir wurden zum Flughafen chauffiert. Ich wäre noch gerne geblieben um die kulturellen Stätten zu besuchen. Aber heute ist nicht alle Tage…

Wolfi S.

Zeit: 5.10.-28.10.2007
Veranstalter: Amical Alpin
Teilnehmerzahl: 11
Bergführer: Dominik Müller
Teilnehmer: Maria, Christine, Helmut, Tilmann, Robert, Sabine, Norbert, Christine, Richard, Daniel, Andreas (Ich)

Am 5.10. war es endlich wieder soweit und wir hoben pünktlich um 22:30Uhr mit einem Flieger der Qatar Airways über Doha nach Kathmandu der Hauptstadt von Nepal ab. Die holprige Landung erfolgte nach einem kurzen Gewitter am mittleren Nachmittag. Anschließend wurden wir mit einem Minibus bis zum Hotel Shang Ri La im Norden von Kathmandu gebracht. Der restliche Tag stand zur freien Verfügung. Am nächsten Tag unternahmen wir eine kleine Sight Seeing Tour zur Bodnath Stupa und anschließend nach Paten, einer der drei Königsstädte im Kathmandutal. Am Weg zur Bodnath Stupa hatten wir dann noch einen kleinen Autounfall wo sich der Seitenspiegel des entgegenkommenden Busses in unseren bohrte. Nach diesem gemütlichen Tag trafen wir uns noch zum Abendessen in einem kleinen Restaurant nahe dem Hotel. Am Montag ging es dann nach einem kurzen Boxenstopp bei unserer einheimischen Agentur Tramserku Trekking mit einem Mercedes Minibus auf dem Arnico Highway bis nach Barabise. Zwischendurch machten wir noch Halt um Dal Bat zu essen. In Barabise wurde unser Gepäck auf ca. 30 Träger verteilt welche sogleich den Weg bis zu unserem ersten Zeltplatz in Karthali antraten. Das Wetter war sonnig mit einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit welche sich in der folgenden Nacht in einen kurzen Regenschauer verwandelte. Bereits am ersten Tag zeigte unser Koch Budda was in ihm steckte. Er zauberte ein für Trekking Verhältnisse geniales Abendessen. Am nächsten Tag ging es über Reisterassen und ein paar kleine Wälder weiter bis oberhalb der Gompa von Dolongsa. Am Abend besichtigen wir noch vor einem starken Regenschauer die kleine Gompa von Dolongsa. Die folgende Etappe führte uns über den wunderschönen Tinsang La bis zu den Terrassen von Pegu. Bei dieser Etappe machten sich auch schon unsere speziellen Freunde die Blutegel stark bemerkbar. Am darauf folgenden Tag ging erstmals bei besserem Wetter bergab zum Amatal Khola bevor es wieder über etliche Reisterrassen bis zu unserem Lager bei einer alten Kaserne oberhalb von Laduk anstieg. Besonders beeindruckend waren auf dieser Etappe die vielen neugierigen friedlichen Kinder am Wegesrand. Nach einem gewaltigen Regenschauer in der Nacht standen unsere Zelte in der Früh wie auf einer kleinen Insel im See. Auf Grund der relativ langen Etappen und des schlechten Wetters kamen die letzten Porter oft erst spät am Abend an. Bereits am folgenden Morgen ging es zeitig  bis zum Bhote Kosi hinab und anschließend flussaufwärts bis nach Gongar weiter. In der Früh erwartete uns bereits neben der Polizeistation der regionale Maoistenführer. Wir mussten pro Kopf 1000Rs bezahlen und unsere Tische und Stühle abgeben. Danach ging es auf zum Teil sehr nassen Wegen flussaufwärts weiter bis nach Chetchet. Von Chetchet führte uns ein steiler Weg mit vielen Stufen weiter hinauf bis nach Simigaon wo wir in der nähe der kleinen Gompa unser Lager für die Nacht aufschlugen. Am Nachmittag hatten wir dann einmal Zeit zum entspannen und waschen. Die nächsten zwei Etappen prägten dschungelartige Wälder mit schmalen dunklen wenig begangenen Wegen. Ein Stück vor Beding lichteten sich dann die Wälder und die Ersten hohen Berge kamen zum Vorschein. Darauf folgend stand eine kurze Etappe an den Wanden des Chekigo vorbei bis nach Na auf dem Programm. Der Rest des Tages diente der Akklimatisation und Entspannung. Nach einem weiteren Akklimatisationstag mit einem kurzen Ausflug auf eine kleine Moräne traten wir den Weg in das wunderbar gelegene Hochlager des Yalung Ri an. Dort genossen wir den Sonnenuntergang bei fast wolkenlosem Wetter. Für den Gipfelgang zum Yalung Ri starteten wir bereits um 4 Uhr am Morgen zuerst über Moränengelände bis zu den Ausläufern des Gletschers. Von dort an ging es am Seil über den spaltenreichen Gletscher und darauf folgend über die Nordwestflanke bis zum Gipfel. Die Bedingungen waren bei windstillem Kaiserwetter absolut perfekt für viel herausragende Fotos. Danach erfolgte der Abstieg zunächst über das Hochlager bis ins Tal und anschließend wieder 400 Hm bergauf bis zum Teehaus Kabag. Am folgenden Tag führte uns der Weiterweg über den mit Geröll bedeckten Trakarding Gletscher bis an das Ende des Talkessels an den Fuß des Bigphera Go Shar. Der Weg war speziell für unsere Träger auf Grund des vielen Gerölls oft sehr mühsam zu gehen. Der Zeltplatz lag am linken Rand des Gletschers auf einem Moränenrücken. Die anstehende Königsetappe der Tour führte uns von unserem Lagerplatz am Gletscher über eine Felsnasse die zum Teil für die Träger mit Fixseilen versichert wurde bis auf den Drolambao Gletscher. Diesem sehr flachen Gletscher folgten wir bis zum Aufschwung zum Trashi Labtsa. Nach einer kurzen Pause mit einer ausgiebigen Speck und Wurstjause gingen wir bei immer stärker werdendem Wind bis auf den Pass. Kurz hinter dem Pass knapp außerhalb der steinschlaggefährdeten Bereiche des Tengi Ragi Tau richteten wir unser Lager ein. In der folgenden Nacht fegten Windböen mit ca. 80-100 kmH bei einer Außentemperatur von -15° über unsere Zelte. Die Zeltstangen bogen sich ordentlich und das Küchenzelt würde sogar zu Gänze vom Sturm weggefegt. Erst gegen den Morgen ließ der Wind minimal nach und die Sonne wärmte die Luft, so dass wir den Abstieg über zum teil steinschlaggefährdetes Gelände antreten konnten. Nach einiger Zeit kamen wir dann endlich bei der wunderschön gelegenen Alm Tengpo an wo wir im Garten von unserem Klimbingsherpa Pema die Zelte aufschlugen. Dieser Zeltplatz war für uns der schönste auf der ganzen Tour. Der Blick reichte vom Kang Taiga und Tramserku bis zu den steilen bis zu 2000m hohen Eis- und Felswänden der direkt neben Tengpo gelegenen Berge. Die vorletzte Tagesetappe führte uns dann schlussendlich über das Kloster Thame Og und Thame bis nach Namche Bazar. In Namche wurden dann die Energiereserven in der deutschen Bäckerei neu aufgeladen, so dass wir am folgenden Tag gemütlich bis nach Lukla hinaus wanderten. Nach einer längeren Wartezeit am Flughafen von Lukla ging es dann per Twinotter nach Katmandu retour. Die letzten zwei Tage nützten wir noch für die Besichtigung von Baktapur und Swaiabonath. Am Nachmittag vor dem Abflug besichtigte ich dann noch schnell die Altstadt von Katmandu. Leider ging die Reise wieder einmal viel zu schnell zu Ende. Am frühen Samstagabend ging es dann per Qatar Airways retour in die Heimat wo wir bei leider nicht mehr so angenehmen Temperaturen am Flughafen von München gegen 6:00Uhr landeten.

Andi Schinner