Winterexpedition zum Ararat-5165m – Türkei 1990

Der türkische Verband für Alpinismus führte vom 16. Feber bis 2. März 1990 eine Winterexpedition zum Ararat- 5165m durch. Durch meinen Freund Robert Renzler – Alpinreferent beim Österreichischen Alpenverein- bekam ich eine Einladung. Meine Aufgabe bei diesem Unternehmen war die türkischen Teilnehmer in Schnee -und Lawinenkunde zu unterweisen, sie bergsteigerisch zu beobachten und sechs Teilnehmer für eine geplante Expedition zu einem Sechstausender im Himalaya auszusuchen. Die Expeditionsteilnehmer unserer Bergfahrt kamen aus 1 x Pakistani, 1 x Italien, 2 x Deutsche 10 x Türken und 6 x Österreicher (diese sind: Gerald Daxner- Steinbach, Susi Knabl- Imst, Dietmar Wiesenthaler- Wörgl, Robert Mayerhofer- Jenbach, Rolf Widerhofer- Mils mit Samojeden Ninuk und meine Person)
Der Flug von Innsbruck über Wien-Istanbul nach Ankona war problemlos. In Ankara, im Hotel Karyagadi traf sich die gesamte Gruppe. Am Samstag, den 27. 02. um 23.°° Uhr starteten wir mit dem öffentlichen Linienbus, in welchem ein Teil für uns reserviert war (für Teilnehmer, Gepäck und Hund Ninuk). Anfänglich regnete es stark, dieser Regen ging später in starken Schneefall über und zu allem Überfluss hatten wir bei diesem Wetter noch einen Reifendefekt bei dem wir gleichzeitig auch noch die Schneeketten anlegen mussten. Das Wetter wurde noch schlechter, es kam starker Wind und Nebel dazu. Der Fahrer benötigte eine Schibrille, welche ich im geliehen habe, um die Konturen der Straße besser zu erkennen, dies nützte jedoch nicht besonders viel. Am Sonntag gegen Mittag erreichten wir einen ca. 2200 Meter hohen Pass mit einer kleinen Funkstation. Vorerst war die Fahrt hier zu Ende. Orkanartiger Stürme mit starkem Schneefall, Nebel und keinerlei Sicht machte die Weiterfahrt unmöglich. Der Bus wurde schnell zu einem Eisschrank. Am Montag um 2.°° Uhr früh ging die Fahrt ca. 5 Meter hinter einem Schneeräumfahrzeug weiter, bis ins Erzincan, wo alle Straßen wieder gesperrt waren. Am späteren Abend, so gegen 21.°° Uhr fuhren wir los und kamen am Dienstag um 7.°° Uhr nach 56 stündiger Fahrzeit in Dugubayazit auf ca. 1600 Meter Seehöhe an. Nach ein paar Stunden Ruhepause besichtigten wir ein Schloss und am Abend hatte ich den ersten Unterricht über Schnee- und Lawinenkunde, wo ich auch noch einige Dias zur Untermalung zeigte,
Am nächsten Morgen den, Mittwoch 21.2 war das Wetter bedeckt, wir sortierten unsere Ausrüstungsgegenstände und packten zusammen Nach einer Lagebesprechung wurden Teilnehmer und Gepäck auf einen offenen Lastwagen verladen und die eigentliche Expedition
Begann.Die Fahrt ging nach Eli, einem kleinen Weiler an der Südseite des Ararat`s. Dieses gesamte Gebiet ist militärisches Sperrgebiet und so wurden wir auch von Soldaten begleitet. Bei .der ersten Steigung vor Eli blieben wir trotz schieben und ziehen unseres Lastwagens im Schnee und Morast einfach stecken. So mussten wir ca. 1 Stunde lang durch 20 cm tiefen Neuschnee zu einer großen Höhle aufsteigen und in dieser unser Nachtquartier, teils im Freien und teils in Zelten beziehen. Hier wurde noch fest aufgekocht und dazu über unseren Weiterweg diskutiert.
Früh Morgens, es ist Donnerstag, der 22. 2, das Wetter ist heiter und kalt. Wir steigen mit den Schiern zum Lager 1, auf ca. 3200 Meter, auf. Die türkischen Teilnehmer waren zu Fuß unterwegs, was erheblich beschwerlicher für sie war. Sie brachen immer wieder ein und waren daher auch viel langsamer. Bei allen Teilnehmern machten sich auch die schweren Rucksäcke bemerkbar. So gegen 14.°° Uhr ereichten wir unseren Lagerplatz und begannen umgehend unsere Zelte aufzustellen, denn wir wussten, dass es gegen 18.°°Uhr dunkel wird. Die Nacht wurde „saukallt“.
Es ist Freitag, der 23.02., das Wetter ist sehr schön und sehr kalt. Unter den Teilnehmern war eine Diskussion ausgebrochen, die türkischen Bergsteiger wollten den praktischen Teil der Schnee- und Lawinenkunde absolvieren und der Rest der Gruppe zu Lager 2 aufsteigen. Nachdem der Wetterbericht für die nächsten Tage gut war, entschlossen wir uns für einen Ausbildungs- und Akklimatisationstag. Es wurde fleißig geübt und gegraben.
Am Samstag den 24.02.gings bei sehr schönem und kaltem Wetter weiter ins Lager 2, wir wieder mit unseren Schiern, die Türken wieder ohne. Auf ca. 4200 Meter schlugen wir die Zelte auf. Es wurde die Tourenplanung für die Gipfelbesteigung besprochen und viel gekocht.
Leider gab mein Kocher den Geist auf, vermutlich wegen Verwendung von falschem Benzin. Die Nacht wurde trotz weiblicher Beischläferin extrem kalt, wir hatten im Zelt unter minus 20° Celsius.
Am Sonntag, den 24.02, war’s soweit.Bei herrlichem, sehr kaltem aber windstillem Wetter starteten wir gegen 8.°° Uhr in Richtung Gipfel, diesmal aber Alle ohne Schi, denn der Schnee war erstens sehr verblasen und zweitens ganz hart. Der Anstieg war nicht besonders schwierig, nur kurz unterhalb des Gipfelplateaus war eine Querung, welche auf Grund der Schneehärte etwas mit Vorsicht anzugehen war. Hier wollten die türkischen Freunde, dass wir eine Seilversicherung aufbauen. Ich zeigte ihnen, wie man mit der richtigen Ausrüstung und der richtigen Anwendung bzw. Handhabung derselben ohne Versicherung des Geländes gefahrlos diesen Quergang überwinden konnte.So erreichten wir alle gegen 13.°° Uhr den Gipfel des Ararat (auf türkisch Agri Dagi) mit seinen stolzen 5165 Meter Höhe. Die Temperatur war auf ca. -30° Celsius abgesunken, aber da es windstill war, konnten trotz dieser tiefen Temperaturen die herrliche Aussicht genießen. Beim Abstieg hatten einige Teilnehmer mit dem hartgefroren Schnee ein wenig Probleme. Trotzdem erreichten wir alle gegen 17.°° Uhr gesund unser Lager 2. Hier herrschte große Freude über die gelungene Gipfelbesteigung.
Der nächste Tag, dies war der Montag, der 26.02, begann mit abbauen des Lagers sowie wiederverstauen unserer Ausrüstung. Wir fuhren mit unseren Schiern ins Lager 1 ab. Wir Schifahrer legten eine Pause ein da wir ja wieder auf unsere Fußgänger warten mussten, welchebei ihrem Abstieg immer wieder tief zwischen den großen Steinen einbrachen. Nach deren eintreffen im Lager 1 ging’s weiter Richtung Eli, der Schnee wurde weicher und auch weniger, sodass auch wir die letzte Stunde bis zur Strasse unsere Schier tragen mussten. In Eli erwarteten uns bereits wieder unsere Soldaten, welche für unseren Schutz abgestellt waren. Auch unser Lastwagen war schon abfahrbereit. Ich ging noch unseren türkischen Fußgängerfreunden Richtung Lager 1 entgegen, um ihnen beim Abtransport ihrer schweren Lasten helfen zu können. Gegen 16.°° Uhr, war es dann soweit, dass wir mit unserem Lastwagen wieder zurück nach Dugubayazit ins Hotel fuhren. Dort angekommen füllte ich erstmals meinen Flüssigkeitshaushalt auf Normalstand auf, denn ich hatte ja seid Samstag als mein Kocher den Geist aufgegeben hatte kaum mehr etwas getrunken. Anschließend ging’s ins Zimmer und unter die Dusche. Am Abend saßen wir Alle noch gemütlich beim Abendessen zusammen und wir feierten unseren schönen Gipfel recht ausgiebig.
Am nächsten Morgen, dies war der 27.02, ging es am Nachmittag mit einem Sonderbus in einer 20-stündigen Fahrt zurück nach Ankara, wo wir am Mittwoch Vormittag gut ankamen. Um 16.°° Uhr Nachmittag waren wir vom Präsidenten des türkischen Bergsteigerverbandes in der Universität in Ankara eingeladen und empfangen. Hier musste ich meinen mündlichen Bericht abgeben, welcher durch einen Dolmetscher direkt übersetzt wurde. Anschließend gab es noch eine lustige Party, die sehr lange dauerte und unseren Kontakt zu den türkischen Bergsteigerfreunden noch verbesserte.
Am nächsten Morgen, dies ist der 1.März, verabschieden wir uns und alle Teilnehmer dieser Bergfahrt fliegen in ihre Heimat zurück. Eine Aufgabe vor meiner Abreise hatte ich noch, ich musste noch einen schriftlichen Bericht über meine Beobachtungen unsere Bergfahrt zum Ararat erstellen. Anschließend hatte ich noch einen Termin an der Universität von Ankara, wo ich ein schönes Angebot für einen Lehrauftrag über 2 Semester für Alpinismus bekommen habe. Diese Angebot konnte ich aber leider nicht annehmen, da ich von meinem Arbeitgeber dem Österreichischen Alpenverein keine Freistellung erhalten hätte.
Am Freitag den 02. März, war es dann auch für mich soweit wieder die Heimreise anzutreten. Ich verschenkte meine gesamte Bergsteigerausrüstung, verabschiedete mich noch von meinem Dolmetscher, der mit mir zum Flughafen fuhr und ab ging es wieder nach Innsbruck, wo ich um 19.°° Uhr ankam.
Im Rucksack hatte ich einen Berg voll Erinnerungen und schöner Eindrücke, welche ich erst zu Hause auspacken und im Laufe der Zeit einordnen konnte.

Hansjörg Köchler

Radltour von Kathmandu nach Lhasa im Oktober 1996

Wir sind vier ältere Herren zwischen 60 und 70 (Ernst Knapp, Walter Larcher, Sebastian Stanger und Raimund Ruf), sitzen im Flugzeug von Lhasa zurück nach Kathmandu und haben einen aufregenden Check-In hinter uns. Von 6 Uhr früh bis 14 Uhr warteten wir in einer überfüllten Halle auf das Flugzeug aus Szetschuan, eingezwängt zwischen Touristen aus aller Welt und Einheimischen mit ihrem Gepäck aus Säcken, Kisten und Kasteln. Als niemand mehr an eine Ankunft der Maschine glaubte, kam das Flugzeug der chinesischen Airline doch noch und nach einem wilden Ansturm (offensichtlich waren nicht genug Plätze vorhanden) schafften wir es mit Hilfe unseres guids, gute Plätze zu bekommen. Nach dem Start fällt nun der Stress ab und wir widmen uns der phantastischen Landschaft Tibets unter uns; zuerst die weite, braune und fast unbesiedelte Hochebene mit den glänzenden Flüssen, den Schluchten und den gut erkennbaren Straßen. Und da sehen wir sie, unsere Route, die wir 17 Tage lang mit dem Fahrrad gefahren waren – da unten ist der riesige See Yamdrok Tso, dem wir entlang gefahren sind, da sehen wir die über 5000 m hohen Pässe, die wir überwunden haben, da unten liegen ganz klein die Städte Shigatse und Gyantse, die uns so gut gefallen haben und langsam kommen wir der weiße Hauptkette des Himalaja mit den hohen Achttausendern näher und die Eisriesen gleitet langsam am Bullauge vorbei – und da ist ja auch der Mount Everest, dem wir bis ins tibetische Basislager nahe gerückt waren. Und dabei fallen mir wieder die vielen großen und kleinen Erlebnisse dieser Reise ein…..

Schon der Beginn, die achttägige Eingehtour in Nepal, war aufregend und spannend. Zuerst mit dem Fahrrad von Kathmandu nach Dunche, eine wahrhaft abenteuerliche Strecke mit dem Rad, dann die Wanderung vorbei an den heiligen Seen von Gosainkund und zuletzt die Besteigung eines Fünftausenders, womit wir uns klimatisch und konditionell auf unsere große Fahrt vorbereitet hatten.

Dann kam der große Start. Wir hatten die Reise bewusst in Kathmandu begonnen, weil es Walters alter Traum war, stolz und siegreich in Lhasa einzurollen. Also charterten wir in Kathmandu in einer uns bereits bekannten Agentur ein Begleitfahrzeug für unser Gepäck, einen Guid,  einen Fahrer und einen Koch und radelten von unserem Quartier los, durch die wimmelnden Straßen und bald durch die grünende Traumlandschaft Nepals. Wir waren natürlich aufgeregt und erwartungsvoll der kommenden Abenteuer, die auch nicht lange auf sich warten ließen.

Da war erst einmal die Hitze in der Niederung des Flusses Sun Kosi. Nach einem Fotostopp wollte ich meine Kameraden einholen, verpasste in der Eile eine Abzweigung und verfuhr mich in einen endlos steilen Anstieg, bis mir meine verzweifelten Freunde (sie meinten mich schon in den reißenden Fluss gestürzt) einen freundlichen Nepali im Jeep nachsandten und auf die richtige Route brachten, die aus endlosen, kilometerlangen Baustellen bestand und die mir den letzten Rest für diesen Tag gab.

Dann der Grenzübergang und die Ankunft in Tibet. Noch vor der Grenze sahen wir weit oben am Berghang die Tibetische Grenzstadt Zhangmu, wunderschön anzusehen mit hohen Gebäuden und daraus hervorstechend ein riesiges Hotel. Es sah fast aus wie Bad Gastein und wir freuten uns endlich wieder auf einen angenehmen Hotelaufenthalt. Die steilen 500 Höhenmeter bis dahin waren allerdings noch sehr anstrengend und der Weg (denn Straße war es eigentlich keine) so schlecht, dass wir immer wieder schieben mussten. Die Grenzformalitäten waren auch bald erledigt (unsere Agentin in Kathmandu hatte uns als „Austrian Bysicle Expedition“ ausgewiesen) und hier übernahm uns unser Tibetischer Führer und brachte uns in das ersehnte Hotel. Dieses war dann eine gewaltige Enttäuschung – es war zwar riesig und weitläufig, aber total abgewirtschaftet und völlig desolat. Ebenso unser trostloses, schmuddeliges Zimmer. Auch gab es zuerst kein Wasser, und als es am Abend endlich kam, floss alles über und es gab eine üble Überschwemmung bis ins Zimmer hinein, während aus dem Waschbecken nur eine graue Brühe kam. Dafür war das Abendessen im nahen kleinen Tibet-Restaurant ausgezeichnet und die hübsche Wirtin hat uns Vier besonders beeindruckt. Als wir am nächsten Morgen zeitig aufbrachen, sahen wir erst den fürchterlichen Dreck in den Gassen, die Berge von faulendem Abfall, und einige Male entkam ich nur knapp einem Guss von oben, als die Leute ihre Nachttöpfe einfach aus den Fenstern auf die Gassen leerten. Und über allem plärrten mehrere Lautsprecher auf hohen Masten chinesische Marschmusik über das ganze Städtchen. Doch das hatten wir bald hinter uns und mit einem Schlag waren wir gefangen von der phantastischen Landschaft Tibets. Durch lange waldreiche Schluchten erreichten wir die Hochebene und damit die typische Landschaft Tibets, die wir nun mehr als zwei Wochen lang erleben durften.

Vorerst gab es aber noch einige Hindernisse. Denn immer wieder war die Straße auf hunderte Meter weggerissen und wir mussten unsere Räder auf glitschigen Fußpfaden übertragen. Die Lkw’s mussten jeweils  umgeladen werden, doch dafür standen überall Kulis bereit, die dort unter Plastikplanen mit ihren Familien hausten und von den paar Rupien lebten. Mit unseren Rädern waren wir natürlich schneller als unser Gepäck, das immer wieder auf andere Fahrzeuge umgeladen werden musste. Wir sahen auch nicht, dass es uns überholt hätte und waren darum schon sehr in Sorge; nur Walter beruhigte uns und meinte, das sei nur „dem Chauffeur seine Sache“. Und so war es denn auch – als wir in Nyalam, dem Ende der ersten Etappe, ankamen, stand unser Führer schon lachend da und wartete auf uns und nun erst sahen wir auch den großen Army-Truck, der unser Begleitfahrzeug bis Lhasa wurde. Und auch der tibetische Fahrer und der chinesischen Koch warteten hier auf uns.

Ab nun war es eine traumhaft schöne Radltour, so wie wir sie uns vorgestellt hatten. Wir erlebten dieses wunderschöne Land mit seinen großartigen Menschen und ihrer hochinteressanten Kultur, eingebettet in eine harmonische Freundschaft untereinander und herzlich betreut von unseren drei einheimischen Begleitern.

Da war zum Beispiel die große Freude am Lalung Leh, dem ersten Pass über 5000 m. Wir waren in Hochstimmung, weil wir den weiten Anstieg ohne Probleme gemeistert hatten und weil uns hier zum ersten Mal die Weite der braunen, menschenleeren Landschaft zu Füßen lag, begrenzt von der weißen Hauptkette des Himalaya, die weit entfernt am Horizont zum ersten Mal auftauchte. Wir waren tief beeindruckt.

Wenn wir manchmal in Hotels übernachteten, wurde ich oft von amerikanischen Touristen auf unseren Ernst hingewiesen und gefragt „who is this, I think, I know him“. Dann antwortete ich stets „it’s Sean Conory, my best friend“. Das hat man mir immer mit einem „oh, of course“ abgenommen und ich sonnte ich mich dann stets im Ruhm und der Hochachtung, die von meinem „berühmten“ Freund auch auf mich abstrahlte.

Eines Abends holte der chinesische Koch das Wasser für das Abendessen aus dem nahen Fluss; das Wasser war eine braune, schäumende Brühe, was uns nicht wunderte, da flussaufwärts mehrere Dörfer zu sehen waren und wir die tibetische Abwasserbeseitigung  inzwischen kennen gelernt hatten. Auf unsere Vorhalte entgegnet unser Guide (der Koch selbst konnte nur chinesisch) „it’s a god water, all people here drink this water“. Damit hatte er uns überzeugt und tatsächlich, nie hat einer von uns irgendwelche gesundheitlichen Probleme bekommen.

Wenn wir in ein Dorf kamen, war es immer wieder das gleiche Bild: Von überallher strömten Kinder in allen Größen, meist nur mit Lumpen bekleidet. Die Kinder kamen aber nicht nur in den Dörfern; auch in den einsamsten Gegenden, wenn weit und breit kein Lebewesen zu sehen war, mussten wir nur kurz stehen bleiben, und schon tauchten aus jeder Bodenfalte Kinder auf und im Nu waren wir umringt, und die Größeren  und Mutigeren versuchten ihre paar englischen  Worte: what is your name, what is your country, während die Anderen versuchten, uns zu betasten und zu befühlen. Anfangs war das ja lustig, aber mit der Zeit ging es halt doch auf die Nerven. Besonders, wenn sie prompt jedes Mal Austria mit Australia  verwechselten. Ich sagte dann schon immer, ich sei aus Andorra – you know Andorra? Worauf meist ein nur sehr zögerliches „Yes“ zurückkam. Oft ergaben sich dann auch mit den Erwachsenen Gespräche oder wir sahen einfach zu beim Einbringen der Ernte, das sich noch abwickelte, wie es bei uns vor hundert Jahren gewesen sein dürfte.

Höhepunkt war wohl der Morgen im Basislager an der Nordseite des Mount Everest. Wir waren gestern bei eisigem Wind und schlechtem Wetter angekommen und ich dachte schon, wozu tu ich mir das an, man sieht ja ohnehin nichts. Und dann, als wir am Morgen aus dem gefrorenen Zelt krochen, zog sich ein Nebelschleier nach dem anderen von den Bergen, die zuerst zart in ihren Konturen, dann immer deutlicher sichtbar wurden; und zuletzt stand die frisch verschneiten Kette der Eisriesen (Everest, Lhotse, Nuptse usw.) im strahlenden Schein der Morgensonne leuchtend in ihrer ganzen Pracht vor uns. Kilometerweit standen die Schneefahnen von den Gipfeln in den klaren Himmel, es war ein unbeschreiblich schönes Bild. Wir waren alle tief ergriffen, saßen lange und staunten und konnten uns nicht sattsehen.

Und da war dann auch noch die Siegesfeier am Abend des Zieleinlaufes in Lhasa. Wir bummelten zu Fuß durch die Stadt auf der Suche nach einem vornehmen Restaurant; es gab ja viele Speisemöglichkeiten, aber heute wollten wir es richtig vornehm haben. Endlich fanden wir ein solches, hell erleuchtet, breiter Treppenaufgang mit rotem Teppich, flankiert von goldenen Löwen. Wir wurden auch dementsprechend vornehm empfangen. Es gab chinesische Spezialitäten, die am Tisch gekocht wurden und bald waren wir Mittelpunkt des ganzen Lokales, denn das ganze Personal bemühte sich um uns. Es wurden immer mehr besonders hübsche Chinesen-Mädchen, die uns bedienten, uns die Spezialitäten vorlegten und erklärten, wie sie zu essen seien. Es wurde eine mords Hetz für uns und die Mädchen, das Essen war besonders gut (und sehr scharf und sehr exotisch und auch die Rechnung war letztlich gesalzen, was aber unserer Laune keinen Abbruch tat). Erst zuletzt dämmerte es sogar uns, dass wir wahrscheinlich in einem Nobelbuff gelandet waren, was unsere Laune erst recht gehoben hat; nur die Mädchen schienen dann doch etwas enttäuscht, als uns nach dem Essen der Mut für weitere Abenteuer verließ, wir dankend alle weiteren Angebote ablehnten und fröhlich in unser Quartier abmarschierten.

Es gäbe noch so vieles zu erzählen, von einzelnen Begegnungen und Gesprächen mit den Menschen; von archaischen Szenen aus dem bäuerlichen Leben; von stillen Abenden am Lagerfeuer oder in gemütlichen kleinen Herbergen; von anstrengenden Etappen über weite schlechte Straßen und hohe Pässe; von Besuchen in den großen und schönen Klöstern und von den abschließenden Tagen in Lhasa. Am meisten beeindruckt haben mich jedoch die weite Landschaft im besonderen, klaren  Licht und den dadurch bedingten leuchtenden Farben sowie die Menschen und ihre für mich so fremde Kultur. …..

Inzwischen ist die Kette der hohen Berge vor dem Bullauge des Flugzeuges zu Ende, die Berge werden niederer, die Täler wieder grün und dicht besiedelt und gleich darauf landen wir in Kathmandu, wo nach weiteren zwei Tagen eine herrliche, abenteuerliche Reise mit guten Freunden zu Ende ging und nur mehr als schöner Traum zurückblieb.

Verdon – Pastis oder Pastistomat ist Pflicht!

So wie de Fernet in Italien, der Whisky in England oder Schottland, der Martini geschüttelt nicht gerührt bei James Bond, so ist der  Pastis in Frankreich das Leib oder Apperitivgetränk schlecht hin. Wer dieses Getränk mag, wird es immer wieder trinken und genießen. Um Klettern zu können und dieses Getränkserviert zu bekommen, soll einfach nach Frankreich fahren. Dies ist der Grund warum ich immer wieder im Frühsommer, oftmals auch noch im Herbst in die Provence komme.

Das wirkliche Zauberwort aber heißt „Verdon“! Wer gern Kalkfels klettert, wird wohl kaum in Europa ein Gebiet finden, welches mit dem Verdon zu vergleichen ist. Viele Menschen wissen, dass es den Grand Canyon du Verdon gibt, wer aber kann genau sagen wo er sich in der Haute Provence versteckt? Mit seinen senkrechten Felswänden, welche bis tief in die Schlucht hinunter führen, ist er für mich ein Schmuckstück der Natur und hier zu klettern bedeutet nicht, lange Anmärsche zu den Einstiegen, nein im Gegenteil, die meisten Touren erreicht man von oben durch abseilen. Ein eigenes Gefühl überkommt mich jedes mal auf’s Neue, wenn ich am Schluchtrand, genauer genommen an der Kante zwischen horizontalem und vertikaem Fels stehe, den Abseilhaken eingehängt habe und die Wände hinunterseile. Ob Schlingenstand oder Beginn einer Kletterroute aus einem „Jardin“, das sind Felsterrassen, welche mit Bäumen, Gestrüpp und oder Blumen bewachsen sind, der Weg aus der Wand führt nur über hinaufklettern. Dies bedeutet, dass man die Schwierigkeitsgrade, welche im Führer angegeben sind, mindestens von Haken zu Haken klettern können muss. Stürze aber sind großteils ungefährlich, denn die meisten Routen sind im senkrechten bis überhängendem Fels eingebohrt. Aber auch das Abseilen und die richtige Route finden, es zieht eine Tour neben der anderen hoch, ist oft nicht ganz einfach. Der Grand Canyon du Verdon liegt am östlichen Rand der Provence, das heißt die Anreise führt durch Italien nach Frankreich. Auch dies Fahrt wird als Sport betrachtet und so fahren wir nicht über die Autobahn sondern die gesamte Strecke auf der Bundesstrasse, das heißt wir sind sechs Personen in zwei Autos. Ungefähr 1000 Kilometer an einem Tag, mit all den vielen und schönen bzw. oder nervigen Ortsdurchfahrt ten. Am Col du Larche erreichen wir die Grenze nach Frankreich dies ist ein Pass mit 1992m.ü. Meereshöhe. Weiter geht’s über den Cold Allos mit 2240m und do erreichen wir, praktisch nur mit Boxenstopp beim Tanken, müde und abgespannt den kleinen provencialischen Ort La Palud, welcher auf ca. 930 Meter Meereshöhe liegt. Unsere Beifahrer sind froh, dass sie noch heil am Leben sind, denn so manche Überholmanöver, ob in den Tunnels am Gardasee oder auf den Passstrassen, waren wohl zu viel Nervenbelastung. Der erste Weg in La Palud führt uns ins Sportgeschäft, um den neuesten Kletterführer zu er-stehen. Aber schon der zweite Weg bringt uns in die Bar am Dorfplatz „Bon jour cinq Pastis et un Pastistomat s’il vous plait“ und das heiß begehrte und schwer verdiente Getränk steht vor uns. Überglücklich wieder hier zu sein, bleibt es nicht aus, dass aus einem ein zweiter und dritter Pastis werden. Wir suchen unser alt vertrautes Platzl, ein Stück vom Ort entfernt, welcher inmitten von blühendem Ginster und gut duftenden Kräutern liegt, auf. Sofort wird gejausnet und noch einiger Wein getrunken. Auch wird im neuen Führer gelesen und eine Route für den nächsten Tag herausgesucht. Hannes und ich entscheiden uns schon in den Morgenstunden in die Schlucht zu seilen um zu klettern, während der Rest unserer Gruppe erst am Nachmittag angreifen möchte. Dies war eine gute Entscheidung, denn der Alkohol hatte am nächsten Morgen seine Wirkung noch nicht verloren. Nachdem wir den richtigen Abseilhaken gefunden haben, geht’s hinunter in die Schlucht. Da wir beim Abseilen ein wenig unaufmerksam sind und schon mehrere Seillängen herunter-gefahren sind wissen wir nicht genau, ob wir schon den tiefsten Punkt unserer Route erreicht haben oder nicht. Um völlig sicher zu gehen, seile ich mich über eine Platte tiefer ab, es kommt eine längere senkrechte Passage und dann wird’s überhängend. Im Nu bin ich einige Meter von der Felswand entfernt. Jetzt ist’s klar, der Stand ober mir ist der Beginn der ersten Seillänge. Nun heißt es handeln, denn die Seile unter mir hängen mit den Enden frei in der Luft. Nach längerem Aufprusiken erreiche ich meinen Partner, der am Stand auf mich wartet. Wir bereiten uns aufs Klettern vor, seilen uns an und nach kurzem „Berg Heil“ steige ich in die Route ein. Traum Fels, scharfe Kanten und Griffe lassen mich rasch höher steigen. Auch die Sonne scheint mittlerweile in die Wand herein. Der weiße Fels leuchtet und wenn man so nach oben schaut, glaubt man, dass die Tour ins Unendliche führt. Kleine Griffe und Finger-löcher in der  fast überhängenden Wand begleiten mich an den ersten Stand. Hannes steigt nach, er ist gleichermaßen vom Tanz in der Vertikale beeindruckt und begeistert. Während er die zweite Seillänge klettert, welche sowohl im gleichen Schwierigkeitsgrad (6b) liegt, als auch von der Schönheit und Ausgesetztheit eher noch phantastischer ist, genieße ich die Ruhe der Natur, den Blick in die Schlucht in der, der Fluss sein Schauspiel liefert. Meine Gedanken gehen an den Ursprung der Entstehung und welche Gewalten am Werk sein müssen um so einen tiefen Einschnitt mit so makellosen senkrechten Felswänden zu schaffen. Plötzlich höre ich Hannes rufen „Stand“. Ich bin wieder zurück aus meinen Träumen und an der Reihe zum Klettern. Jeder einzelne Kletterzug ist ein Wahnsinn und purer Genuss. Wir durchklettern die Tour und kommen gut nach oben. Offensichtlich hat sich das Klettertraining den ganzen Winter hindurch gelohnt. Am Schluchtrand sitzen wir noch überglücklich und schwelgen schon in Gedanken an Morgen und unsere nächste Tour, welche wir uns aber erst noch aussuchen müssen. Der Weg zu unserem Lagerplatz führt natürlich wieder über die Bar am Hauptplatz von La Palud und zu einem Pastis. So verbringen wir eine ganze Woche hier im Herzen der Haut Provence im Kletterparadies schlechthin. Genauso wie die Anfahrt, fahren wir auch wieder nach Hause, auch wieder recht sportlich. Nur wieder bestärkt, dass wir Alle nicht das letzte Mal hier waren, nein unser Motto lautet „Ein guter Klettersommer beginnt im Verdon“.

Wolfi Egger

Wandhöhe: 280m

Kletterlänge: 300m

Seillängen – Schwierigkeit – vorhandene Sicherungsmittel

  1. SL.: 35m 5+ 2BH
  2. SL.: 60m 4   1NH
  3. SL.: 25m 7+ 3BH
  4. SL.: 40m 8- 3BH, 1NH
  5. SL.: 25m 8- 5BH, 1NH 1 A0-Stelle
  6. SL.: 30m 8- 5BH, 8NH 1 A0-Stelle
  7. SL.: 30m 8 2BH, 1NH
  8. SL.: 35m 8- 3BH
  9. SL.: 25m 8- 2BH, 2NH

Material:

60m Doppelseil, 12 Expressschlingen, Keil- und Friendsortiment

Charakter:

Anspruchsvolle Neutour durch die gelben „Zahnzone“ in meist sehr gutem Fels (teils sehr rau!). Abwechslungsreiche Platten- ,Riss- und Verschneidungskletterei.

8- obligat; vollständige Rotpunktbegehung steht noch aus

Im August 2004 von unten eröffnet durch Thomas Scheiber und Hansjörg Auer

Zugang:

Durch das Puitental rechts haltend zum Fuß der Söllerköpfe; das markante Schneefeld von links nach rechts queren und anschließend über großes Band (Steigspuren) zum Einstieg (höchster Punkt, 1 Bühler)

Abstieg:

Vom letzten Stand ca. 30m aufwärts zu Spalt. Von hier 4 mal in östlicher Richtung abseilen (teils über „Altherrehpartie“, eingerichtet!). Nun 40m schräg aufwärts in westlicher Richtung zu grasigem Pfeilerkopf (Kopfschlinge). Jetzt 30m abseilen und weiter über die 2 ersten Seillängen zurück zum Einstieg. Abseilen über die gesamte Route: mühsam!

Patagonien – Cerro Torre – Kompressorroute

Im Dezember 2004 klettern Thomas und Hansjörg während ihres Patagonienaufenthalts über die „Kompressorroute“ in 10 Stunden auf den Gipfel des Cerro Torre (3.102 m).
2 Tage später glückt ihnen noch die Begehung der Route „Claro de Luna“ an der Saint Éxupery.

Ein Auszug aus ihrem Tagebuch:
Die ersten 150 Meter liegen bereits hinter uns. Der Himmel ist zwar leicht bedeckt, aber kein Lüftchen regt sich. Obwohl gestern ungetrübter Sonnenschein herrschte liegt sehr viel Schnee in der Route und die Risse sind zum Teil stark vereist. Der „Banana-Crack“ nimmt uns auf und nach zwei weiteren Seillängen bis zum 6. Grad erreichen wir leichteres Gelände.
Doch glatte Granitplatten, versehen mit einer dünnen Eisschicht und 15 cm lockeren Pulverschnee verlangen höchste Aufmerksamkeit. Wir fühlen uns verpflichtet an einer derartigen Kletterstelle eines unserer beiden Seile hängen zu lassen, um unseren britischen Freunden den Aufstieg zu erleichtern.
Mittlerweile hat sich das Wetter gebessert und voller Auftrieb und Begeisterung klettern wir simultan den 90-Meter-Quergang, welcher uns zum „Icy-Chimney“ hinüberleitet. Gezwungenermaßen legen wir eine Rast ein, wobei wir ungeduldig auf die Ankunft der Briten warten – endlich haben wir wieder unser zweites Seil.
Mixed 6, technisch A2 und Mixed 5 bringt uns zum Beginn der „Ice-Towers“. An bizarren Eisskulpturen vorbei steigen wir höher. Starker, eisiger Wind fährt durch unsere Glieder und lässt die Seile erstarren. Nach den ersten Klettermetern in der „Headwall“ wird uns wieder warm und ich weiß – wir können es schaffen. Unglaublich als wir uns dann über den Kompressor schwingen, der nun schon seit mehr als 30 Jahren hier verankert ist.
Von hier aus gilt es nun die berühmte Bridwell-Länge, den abgeschlagenen Maestri Haken folgend, zu klettern. Nach gefinkelter technischer Kletterei an einigen Rivets, Copperheads und Normalhaken, erreichen wir nach kurzer Zeit das Gipfelplateau.
Der Gipfeleispilz präsentiert sich von seiner besten Seite – 20m/80°. Nach nunmehr 12-stündiger Kletterei, um 16:00 Uhr ist unser Traum dann ausgeträumt – wir stehen am Gipfel. Genau zum Zeitpunkt der Bescherung (20:00 Uhr MEZ) schütteln wir uns die Hände. Wir denken kurz an zu Hause und beginnen sogleich mit dem Abstieg.
Ein Schneesturm, 27 Abseilmanöver und 7 Stunden später erreichen wir müde aber überglücklich das Norweger Biwak.

Auch die Durchsteigung der Aguja Saint Exupery Westwand ist noch geglückt
Drei Tage später gelingt uns noch die Durchsteigung der Aguja Saint Exupery Westwand auf der Route „Claro de Luna“. 22 Seillängen in herrlichem Granit, die durchwegs den 6. bis 7. Grad verlangen, lassen unsere Herzen überschäumen.

Am Fritz Roy waren wir aber leider nicht mehr erfolgreich. Zwei Non-Stop-Versuche vom Bridwell-Camp aus endeten jeweils im Schneesturm.

Nepal Khumbu Durchquerung mit Island Peak (6139m)

Am 16.4. war es wieder mal so weit zusammen mit 3 weiteren Reiseteilnehmern Sepp, Hermann und Miriam und unserem Reiseleiter Steffen hob ich mit dem Flugzeug Richtung Nepal ab. Von der Hauptstadt Kathmandu ging es auf einem Sichtflug per Twinotter weiter nach Lukla, einem der spektakulärsten Flugplätze der Welt. Nach dem wir die Anreise leicht verdaut hatten marschierten wir langsam in zwei Tagen nach Namche Bazar dem Sherpa Zentrum im Solu Khumbu. An den folgenden Tagen ging es über Drag Nack und Macharmo hinein ins Gokyo Tal bis zur Alm Gokyo. Am 9. Tag standen wir dann auf unserem ersten Aussichtsberg dem Gokyo Ri. Das Panorama angefangen von Everest, Lothse, Cholatse, Taboche … war einfach überwältigend und lud zu einer Menge netter Fotos ein. Als nächster Punkt folgte die Überschreitung des Cho La Passes. Dank des wenigen Schnees und des guten Wetters stellte die Überschreitung kein Problem dar. Als Begrüßung auf der Passhöhe erwartete uns ein Traumblick auf den Loboche East und im weiteren Verlauf auf die Ama Dablam. In den folgenden 2 Tagen gingen Hermann und ich über Gorak Shep gleich weiter auf den Kala Pattar. Nach dem wir beide nach einer kalten Nacht in Gorak Shep noch schnell im Everest Basis Lager waren nützte ich die verbleibende Zeit vom Tag und stieg nochmals auf den Kala Pattar. Nachdem die Gruppe in Ding Poche wieder vereint war starteten wir gemeinsam nach Chuckung und weiter ins Island Peak Basislager. Nach einem Tag Pause ging es ans eingemachte und wir begannen pünktlich um 1 Uhr in der Nacht mit dem Anstieg zum Island Peak. Da es in der Nacht etwas geschneit hatte und damit verbunden der Weg auf den Gletscher sehr rutschig war standen wir Steffen, Sherpa Kama und ich alleine am Gipfel des 6139m hohen Island Peak. Imposant war das Panorama mit der Lothse Südwand im Norden, dem Makalu im Osten und der Ama Dablam im Süd-Westen. Wir genossen kurz den Rundumblick und stiegen danach zügig ins Basislager ab wo wir um ca. 13Uhr ankamen. Am darauffolgenden Tag ging ich zum Abschluss des Gipfelreigens zusammen mit Miriam noch schnell auf den Chucking Ri. Am Nachmittag folgten wir dem Weg bei dichtem Nebel bis nach Pang Poche und in den folgen Tagen über Tengpoche und Namche wieder hinaus nach Lukla. Glücklich und zufrieden genossen wir die letzten Tage in Kathmandu bevor wir am 9.4. alle wieder nach Europa zurück kehrten.

Andi Schinner

Zeit: 16.4.06- 9.4.06
Veranstalter: Hauser Exkursionen
Reiseleiter : Steffen Wetzel
Teilnehmerzahl: 4
Teilnehmer: Sepp, Hermann, Miriam und Andi(Ich)

Karakorum Trango Valley 2006

Daten und Fakten Trango 2006

Teilnehmer: Thomas Scheiber, Hansjörg Auer, Matthias Auer, Karl Dung, Ambros Sailer.

Base Camp erreicht am: 14.07.2006

Shipton Spire (ca. 5700 m): Erste Wiederholung der Route „Woman and Chalk“ in der 1200m hohen Ostwand an insgesamt 5 Klettertagen durch Thomas Scheiber, Hansjörg Auer und Ambros Sailer. Überdies war es die erste Begehung dieser Route bis zum Gipfel überhaupt.
Schwierigkeiten: bis 8a (laut Erstbegeher), Eis bis 90°, 36 SL

Nameless Tower (6239 m): „Eternal Flame“ im Alpinstil in 2 Tagen vom Trango Base Camp und in 8h von der Sonnenterrasse bis zum Pfeilergipfel durch Thomas Scheiber und Hansjörg Auer.
Wandhöhe: 800m.
Schwierigkeiten: bis 7c+ (7b, A2), 28 SL.

Great Trango (6286 m): Anstieg über die „Woolums Route“ (Normalanstieg) in 2 Tagen vom Trango Base Camp durch Matthias Auer und Karl Dung.
Schwierigkeiten: 2 bis 3, Eis bis 55°.

Trango Peak (6545 m): Vermutlich erste Besteigung des Gipfels über die 2300m hohe Westflanke an einem Tag vom Shipton Base Camp durch Matthias Auer und Karl Dung.
Schwierigkeiten: M5, Eis bis 55°.

Little Shipton (ca. 5400 m): Neutour „Winds of Change“ durch die 550m hohe Ostwand im Alpinstil und zugleich erste Besteigung des Gipfels durch Thomas Scheiber und Hansjörg Auer.
Schwierigkeiten: bis 7a+, 14 SL.

Erlebnis Karakorum, Trango Valley

Thomas und Hansjörg liegen gerade im Hotel in Islamabad und kämpfen mit der enormen Schwüle. 45° C Lufttemperatur gepaart mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. „Endlich geht es los“, ruft Hansjörg zu ihm hinüber. Die Räder der Expedition beginnen sich zu drehen. Die Vorfreude auf das Trango Valley ist gewaltig. Mit dabei sind noch Matthias, sowie Charly und Ambros.

Morgen geht es weiter nach Skardu. Doch nicht über den sehr langen Karakorum Highway, sondern gemütlich mit einem 45 minütlichen Inlandsflug. Bei traumhaften Wetter genießen sie den Ausblick auf die umliegenden Achttausender wie Nanga Parbat, K2, Gasherbrum usw.

In Skardu treffen sie endlich auf ihr Cargo Gepäck und lassen Schweißperlen auf den Gesichtern der pakistanischen Freunde aufkommen, als sie feststellen, dass das Portaledge fehlt. Sofort verschwinden alle mit lautem Gejammer kommen aber gleich mit einem schwarzen Sack wieder zurück. Sie sind erleichtert.

Allmählich wird ihr Auswurf immer flüssiger bis hin zum kompletten „round up“. Hansjörg, Matthias und Ambros kämpfen mit diesen sehr unangenehmen Symptomen und sie sind froh am nächsten Tag, nach einer 7 stündigen Jeepfahrt, Askole zu erreichen, das letzte Dorf im Shigar Valley. In den nächsten 3 Tagen wandern sie über das Trägerzentrum Paiju und der Zunge des mächtigen Baltoro Gletschers ans Ende des Trango Valley zum Shipton Base Camp (4160m). Ein grünes Hochplateau mit einem Ausmaß von 3-4 Fußballfeldern, klarem Bächlein und einem kleinen See soll nun ihr Zuhause für die nächsten 40 Tage werden. Sie sind die einzige Expedition. In 5 Tagen wird noch ein amerikanisches Team kommen.

In der ersten Zeit ist die Stimmung im Lager beinahe am Nullpunkt. Nicht, weil das Wetter schlecht ist, sondern Ambros leidet an einer akuten Höhenkrankheit. Unvorstellbar, dass es so schnell gehen kann. Den Hubschrauber brauchen sie dann doch nicht, er kann selber in Richtung Baltoro Gletscher absteigen. Kochhelfer Jousuf wird ihn begleiten. In 3 Tagen Ambros kommt wieder. Doch die Expedition soll für ihn nicht so richtig gelingen. Insgesamt wird er noch mit 6 Krankheiten zu kämpfen haben.

Das Abenteuer beginnt – zwar no woman dafür endlich Chalk …

Das Portaledge am Wandfuß des Shipton Spire (ca. 5700m) haben Thomi und Hansjörg bereits installiert. Gut geschützt unter einem kleinen Überhang vor dem doch regelmäßigen Steinschlag werden sie die nächsten Tage hier verbringen. An insgesamt 3 Klettertagen gelingt es ihnen 450m Fixseile bis ins „Bed and Breakfast“, eine kleine Plattform in ca. 4800m, zu legen. Ihre Hände sind zerschunden doch die Kletterei war ein Wahnsinn, wenngleich sie nicht optimale Bedingungen vorfanden, denn einige Stellen der Route waren komplett nass. So können sie bis auf einige wenige Passagen alles frei klettern. Während Thomas und Hansjörg klettern, arbeitet sich Ambi mit dem Haulbag gekonnt hoch. Einig Male muss er zurück um den verklemmten Sack zu befreien, doch er schafft es. Übrigens, auch ein kompletter Haulbagriss am ersten Stand ließ ihn nicht verzweifeln. Der gesamte Inhalt wurde zum Geschoß, doch zum Glück fand er alles wieder. Zusammen bauen sie dann das Portaledge auf, deponieren das Material, seilen zurück zum Wandfuß und steigen sogleich ins Base Camp ab.

2 Tage später brechen sie wieder auf. Fast 3 Stunden benötigen sie für den Aufstieg an den Fixseilen. Es ist brutal anstrengend. Am Nachmittag fixieren Thomi und Hansjörg noch an die 150m mit den Halbseilen und einem kleinen Rest des Fixseiles. Die 3 Seillängen gleich oberhalb vom „Bed and Breakfast“ bleiben ihnen von der gesamten Route am besten in Erinnerung. 7a+, 8a und 7c+ folgen gleich hintereinander. Hansjörg führt den 8a California Crack. Nicht ganz senkrecht, dafür aber mit einer sehr gefinkelten Stelle am Schluss der Länge. In eleganter Piazkletterei geht es weiter, dann erreichen sie leichteres Gelände. Der Weg zum Gipfel ist frei. Sie seilen zurück zum Portaledge.

Um 5:00 Uhr brechen sie dann auf. Ihnen stehen noch 10 Seillängen mit Schwierigkeiten bis 7c bevor. Thomi, Hansjörg und Ambros geben Vollgas. Um etwa 12:00 Uhr steigen sie im Schneetreiben auf den Gipfelgrat aus. Das Wetter hat sich verschlechtert. Bubu Bole hat „Woman and Chalk“ hier beendet. Doch sie wollen unbedingt ganz hinauf und siehe da, der Schneefall lässt nach. 8 Seillängen anspruchsvolle Mixed-Kletterei der Route „Ship of Fools“ trennen sie noch vom Gipfel. Gegen halb vier haben sie es dann geschafft. Sie stehen am höchsten Punkt.

Um 20:00 Uhr, im letzten Schein der Stirnlampe erreichen sie dann nach langer Abseilfahrt wieder „Bed & Breakfast.

Am nächsten Morgen seilen sie dann weiter ab. Alles geht wieder mit. Sie wollen die Route sauber hinterlassen. Das Gewicht der Haulbags steigt wieder. Am frühen Nachmittag erreichen sie dann das Base Camp.

Die „Flame“ steht unter Feuer und schmilzt …

Matthias und Charly kommen am nächsten Morgen zurück. Thomas, Hansjörg und Ambros sehen sie schon aus weiter Ferne und stellen jede Menge Theorien auf, wie es ihnen in „Under Fire“ an der „Flame“ (6300m) wohl ergangen ist. 2003 wurde die Linie von Brian McMahon und Josh Wharton eröffnet Eine steile Granitnadel oberhalb des Hainabrakk Gletschers etwa einen Tagesmarsch vom Shipton Base Camp entfernt.

Doch die Jungs hatten kein Glück. 4 Seillängen kletterten sie in der Route. Doch die Verhältnisse waren derart schlecht, dass die relativ leichten Risse keine Freikletterei zuließen. Komplett naß und vereist bedingt durch eine sehr große Schneewächte am Gipfelgrat. Unter diesen Bedingungen war es einfach sinnlos noch einen Versuch zu starten.

Sie freuen sich dann aber alle riesig, als Matthias und Charly neben der Besteigung des Great Trango (6286m) über den Normalweg, die vermutlich erste Besteigung des Trango Peak (6545m) gelingt. Der Anstieg verläuft in der 2300m hohen Westflanke und bietet Schwierigkeiten bis 55° im Eis sowie M5 im kombinierten Gelände. Sie starten am frühen Morgen des 19. August mit extrem leichten Gepäck. Bereits um 14:00 Uhr haben sie den Gipfel erreicht und genießen die einmalige Aussicht auf die großen Achttausender. Nach einigen Abseilmanövern zwingt ihnen die einbrechende Dunkelheit 900 Höhenmeter oberhalb vom Base Camp noch zu einem Biwak. Am nächsten Morgen erreichen sie dann müde aber überglücklich das Lager.

„Eternal Flame“ – ein Geschenk Gottes…

Thomas und Hansjörg quälen sich gerade das ewig lange Zustiegscouloir hinauf in Richtung Nameless Tower. Nachdem sie gestern Abend im Trango Base Camp gleich zwei Summitpartys erleben durften geht es in ihren Mägen rund. Morgen, so Gott will, wollen sie sich eine Alpinstilbegehung der weltbekannten „Eternal Flame“, erstbegangen von Kurt Albert und Wolfgang Güllich im Jahr 1989, sichern. Am frühen Nachmittag erreichen sie nach 8 Seillängen die Sonnenterrasse in ca. 5500m Höhe. Die Linie von „Eternal Flame“ schaut einfach irre aus. Nach dem Pendelquergang der 1. Seillänge starten die Hand- und Fingerrisse wie aus dem Nichts begrenzt von glatten, strukturlosen Platten.

Doch am nächsten Morgen schaut das Wetter gar nicht gut aus. Der Himmel ist bedeckt und im Süden stehen dicke, schwarze Wolken. Sie wollen es trotzdem versuchen. Die ersten 5 Seillängen sind ein echter Hammer. Kontinuierlich im 8. Schwierigkeitsgrad klettern sie was das Zeug hält. Das Wetter bessert sich nämlich nicht merklich. Der „Nachsteiger-Rucksack“ ist relativ leicht, sodass die beiden ohne Jümar unterwegs sind. „Say my name“, 8+/9-, ein gewaltiger Doppelriss auf knapp 6000m bleibt ihnen in ganz besonderer Erinnerung. Die letzte Seillänge klettern sie bereits im Schneetreiben und nach 8 Stunden Kletterei am frühen Nachmittag haben sie den Pfeilgipfel erreicht. Der Hauptgipfel ist verdammt nahe, nur 80m im 5. Schwierigkeitsgrad trennen sie davon, doch den müssen sich Thomas und Hansjörg heute schenken. Sie seilen ab. Eine Stunde später kehren sie wieder zur Sonnenterrasse zurück. Der von ihnen vermutete Wettersturz ist ausgeblieben. Doch die Freude „Eternal Flame“ geklettert zu sein überwiegt gegenüber dem Nichterreichen des Hauptgipfels deutlich.

„Winds of Change“ – manchmal weht ein anderer Wind …

Seit mehr als 15 Tagen ist das Wetter schon schlecht. Nur einmal hatten die 5 Jungs Ausgang, als ihnen ein ziemlich bekannter Wetterfuchs 4 schöne Tage prophezeite und ihnen riet kräftig in die Hände zu spucken. Doch schlussendlich waren es die schlechtesten Tage überhaupt. Nur gut das beinahe das gesamte Base Camp auf den Beinen war. Matthias, Charly und Ambros waren auf der Sonnenterrasse am Nameless Tower. Thomas und Hansjörg starteten Richtung Little Shipton. Doch außer Schnee und Regen, nicht viel gewesen.

Nichts desto Trotz beglückt sie eine höhere Kraft noch einmal mit zwei wahnsinnig schönen Tagen. Die Mannschaft steht bereits kurz vor ihrem Abmarsch aus dem Lager und Thomas und Hansjörg wissen: „Jetzt oder nie!“

Little Shipton (ca. 5400m), unbestiegen und mit einer sehr steilen über 500m hohen Wand wartet noch befreit zu werden. Mit dem Fernglas haben sie die Route schon auserkoren. Durch den zentralen Teil der Wand soll sie gehen. Doch je weiter sie sich dem Zapfen nähern, desto unwahrscheinlich kommt ihnen der Traum vor. Im Alpinstil ohne Bohrhaken ist hier nichts zu machen. Wir ändern den Plan und finden eine andere Linie. Sie werden im rechten Wandteil starten und dann nach einigen Seillängen über einen Riss an die rechte Begrenzungskante wechseln. Der Fels schaut einfach phänomenal aus. Thomi meint: „Nameless-Like“

Goldgelb leuchtet der Fels in der Sonne über ihnen. Sie erreichen den schwierigsten Teil der Route. Der Quergang zur Kante gelingt ihnen in freier Kletterei, wenngleich Hansjörg in einer nicht absicherbaren Platte einen Bohrhaken schlagen muss. Riss an Riss hängen Sie zusammen, immer dem logischen Weg nach. Vor allem die vorletzte Seillänge bleibt ihnen gut in Erinnerung. Fingerrisse par excellence leiten sie zum Abschlussüberhang, den sie dann etwas rechts überwinden. Sie hinterlassen keine einzige technische Passage, stehen bereits zu Mittag am Gipfel und freuen sich über ihr kleines Werk.

Beim Abseilen erleiden dann beide noch einmal eine Schrecksekunde. Am letzten Stand bricht Hansjörg während der Abseilfahrt der Fixkeil aus. Er kann sich gerade noch halten und einen 50m Absturz in letzter Sekunde vermeiden. Plötzlich merken sie, dass ein anderer Wind weht …

Reinhard Karl über Trango Türme…

Weitsichtig, weil kenntnisreich, hatte Reinhard Karl schon vor vielen Jahren erkannt, dass die Besteigung des Mount Everest wohl mehr Menschen möglich sei, als die Lösung des 5-Meter-Boulderproblems „Midnight Lightning“ im Yosemite. Mit solch extremen Beobachtungen provozierte er gern, wollte positiv anstoßen, zum Denken anregen. Das war ihm wichtig, dem alpinen Romantiker mit Sportlerseele. Vor 10 Jahren, auf dem Weg zum K2, sah er die Trangotürme: Es heißt, diese Berge seien die Zukunft von Yosemite …- vielleicht als Foto, auf dem Sofa liegend betrachtet … – der El Capitan ist dagegen nur ein Turngerüst für Traumtänzer – … Klettern kann hier kein Spiel sein! …“ (aus „Plötzlich zeigt der Atlas wieder weiße Flecken“ – AV Jahrbuch ´91).

Der Dank gilt allen Sponsoren, die das Team bei ihrem Unternehmen tatkräftig unterstützt haben und auch Karl Gabl, der verantwortlich war, dass die Schönwetterperioden optimal genutzt werden konnten – 5 Gipfel und 2 Erstbegehungen waren das Ergebnis!

Team Alpin

Mt. Kenya 2006

Nachdem ich im Sommer 2005 schon den Kilimanjaro anlässlich einer Forschungsreise der Tropical Glaciology Group des Institutes für Geographie an der Universität Innsbruck besteigen durfte, führte mich eine Exkursion desselben Institutes im Winter 2006 erneut nach Ostafrika.
Acht Studenten hatten sich schließlich gefunden, um nach dem Exkursionsprogramm in Uganda und Kenia noch den Mt. Kenya zu überschreiten. Vom Parkgate in Naru Moru stiegen wir in einem tropischen Gewitterregen zur Met Station auf, wo bereits unsere Küchenmannschaft auf uns wartete und wir unsere erste Nacht verbrachten. Am nächsten Tag wanderten wir zuerst durch dunkle Bergregenwälder, die sich nach und nach öffneten und schließlich in ein Grasland übergingen, das mit blühenden Senecien und Lobelien geschmückt war. Die kalte Steinhütte des Mackinders Camp verwandelten unsere Träger und Köche bald in ein gemütliches Lager. Alex und ich marschierten am folgenden Tag bereits auf die Austrian Hut, um einen Gipfelgang auf den Batian zu wagen, während die übrige Mannschaft in einem Rasttag auf Mackinders die Seele baumeln ließ. Das Wetter hatten wir ganz gut erwischt. In der Früh war es immer wolkenlos, vormittags türmten sich bereits die ersten Wolken auf, spätestens am frühen Nachmittag begann es für zwei bis drei Stunden zu regnen. Als wir gegen Mittag die Austrian Hut erreichten, waren wir schon in dichten Nebel gehüllt. Zuvor konnten wir noch einen Blick auf den Batian werfen und waren über die guten, weil trockenen, Verhältnisse erfreut. In einem Graupelgewitter stiegen wir nachmittags noch schnell auf den Point Lenana. Als wir am nächsten Morgen beim Frühstück waren, trafen gerade unsere Freunde ein, die rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf den Point Lenana stiegen und uns dann im Mintos Camp wieder erwarten sollten.
Die Steigeisen notdürftig auf die Turnschuhe geschnallt überquerten wir den Lewis Glacier und erreichten kurz nach Sonnenaufgang den Einstieg. Viel hatte ich gelesen über diese Tour und war nun gespannt, ob Schwierigkeitsgrad, Länge und Anforderung den Führerangaben entsprachen. Wir kletterten am gestreckten Seil, der Fels war fest, die Route war leicht zu klettern und zu finden. Etwas Schnee im oberen, nordwestlich exponierten Teil störte nicht, das Wetter war noch gut. Nach drei Stunden Kletterei erreichten wir schließlich den Gipfel des Batian mit 5188 m. Allerdings waren wir schon wieder in dichte Wolken gehüllt und mussten mit dem Abstieg beginnen. Beim letzten Abseilstand hat uns schließlich doch noch ein Graupelschauer erwischt. Meine Form war blendend, Alex, der in der Früh schon etwas Kopfschmerzen hatte, war schon ziemlich müde. Aber wir konnten uns nicht ausruhen. Wir mussten zurück zur Austrian Hut, unsere übrige Ausrüstung holen und noch ca. drei Stunden zum Mintos Camp absteigen. Dort hatte der Rest der Mannschaft bereits das Lager auf einem herrlichen Platz aufgeschlagen und wir durften endlich unsere verdiente Ruhe genießen. Ein königliches Frühstück brachte auch Alex wieder auf die Beine und unserer letzten (allerdings verregneten) Etappe zur Meru Mt. Kenya Lodge (Bier!) stand nichts mehr im Wege.
Mt. Kenya Überschreitung in fünf herrlichen Tagen von Naru Moru nach Chogoria. Mit dabei: Judith Egger, Elisabeth Henzinger, Daniela Hofer, Martin Mergili, Peter Nagiller, Alexander Schober, Nora Wenk

Bericht: Rainer Prinz (HG Karwendler)

Der Weg durch den Fisch an der Marmolada free Solo

Gestärkt mit viel Selbstvertrauen, startete Hansjörg vergangenes Wochenende in Richtung Marmolada, um sich wieder einmal einen seiner viel geträumten Träume zu erfüllen. Bereits letztes Jahr, (siehe Bericht) kletterte Hansjörg Moderne Zeiten (8-) Free solo. Ist das eigentlich noch zu Toppen? Kaum vorstellbar. Dennoch überrascht Hansjörg immer wieder mit seinem unermüdlichen Datendrang und seinen immer neuen fast unvorstellbaren Ideen.

Der Weg durch den Fisch! Welchen Kletterer oder Alpinisten ist diese mehr als 30 Seillängen emporragende Tour an der Marmolada kein Begriff?

Am Samstag seilte sich Hansjörg Auer über den Fisch ab, den er 2004 schon einmal versucht hat, um die Schlüsselseillängen zu probieren und einzuprägen, bevor er am Sonntag seinen Soloversuch startete.

Bewaffnet mit Kletterschuh und Magnesiumbeutel realisierte Hansjörg Auer nach weniger als 3 Stunden seinen Traum und vollendete das unvorstellbare – eine Solobegehung vom „Weg durch den Fisch“. Mit dieser Leistung hat Hansjörg Auer wohl alpine Geschichte geschrieben …

Das Free Solo Klettern, gerade auf diesem Level, bedarf einer außergewöhnlichen Fähigkeit, mental als auch physisch. Daher – Nachahmung verboten!

http://www.oetztalclimbing.com [Stand 05.05.2007]

Am 11. Juli konnte sich Hansjörg mit seiner Free Solo Begehung der „Modernen Zeiten“ einen lang gehegten Traum erfüllen. Nachdem er die Route im Jahr 2004 und 2005 bereits kletterte, doch aufgrund der „Marmolada-ersten-Seillängen-Fingerkälte“ (… wer einmal war, der weiß Bescheid …) die erste, schwierige Seillänge nie rotpunkt klettern konnte, war es für ihn zu einer besonderen Herausforderung geworden. Mit einer Menge Portion Selbstvertrauen, ausgerüstet mit Helm, Anorak und Magnesiumbeutel stieg er um 10:15 Uhr in die Route ein und erreichte um 12:55 Uhr den Pfeilergipfel. Auch durch eine vereiste Stelle im unteren Teil und einige nasse Passagen in der sehr anspruchsvollen Gipfelwand ließ er sich nicht beirren und kletterte ohne Probleme durch diese einmalige 27 Seillängen lange Route.