Watzmann, Hocheck, 2651m

Man möchte es gar nicht glauben, aber das Zwischenhoch fällt diesmal auf einen Samstag und somit steht einer schönen Frühjahrstour nichts im Weg.
Das Hocheck am Watzmann gehört zu meinen Lieblingstouren, weil es einfach völlig frei da steht und den Blick auf die gesamten Berchtesgadener Alpen frei gibt und weil es doch 2000 Hm sind, die radelnder und gehender Weise bezwungen werden wollen.
Vom Parkplatz Wimbachbrücke geht es mit bepacktem Bergradel gleich stramm aufwärts. Interessant, dass auch die Bayern nicht früher als die Salzburger aufstehen, denn ich bin um Viertel nach sieben völlig allein unterwegs. Nur das Zwitschern der Vögel ( Buchfink, Gimpel, Meisen sind die, die ich erkenne) unterbricht die Stille beim gemütlichen Dahinradeln.
Die ersten Schneeflecken tauchen auf und zwingen zum kurzen Schieben. Nur noch wenige Minuten und die Schneegrenze ist erreicht. Interessanter Weise steht hier schon ein Motorrad der Bergwacht. Also doch nicht allein und gerade als ich losgehen will kommt eine Gruppe Bayuvaren schwitzend, schnaufend und Rad schiebend daher.
Schnell entfliehe ich dem Lärm und gebe mich dem monotonen, aber beruhigenden Geh-Schnauf-Rhythmus hin.
Entfernt grüßt schon das Ziel und ich kann auch schon eine Abfahrtsspur erkennen. Na, der war wieder früher dran.
Der lockere Pulver geht rasch in einen angefeuchteten über und heftet sich hartnäckig an die Felle. Über die Gugel geht es zügig auf die große Flanke des Hochecks zu. Die gelegte Spur schlängelt sich perfekt zwischen Felsen hindurch. Eine Lawine aus den Felsen des Hochkalter schreckt mich kurz auf, aber so habe ich Zeit diese phantastische Landschaft zu betrachten. Einzelne Quellwolken beginnen die Sonne zu verdecken, ein frischer Westwind schon kommt auf.
Die letzten 200 Hm ziehen sich. Der Schritt wird langsamer und wie immer habe ich Zweifel an meiner Kondition. Doch dann sehe ich das goldene Gipfelkreuz. Der Mitterspitz präsentiert sich wie ein Himalayariese. Ganz allein darf ich das Panorama genießen. Im Süden drängen Wolken gegen das Tennengebirge, die Tauern sehen richtig bedrohlich aus, nur hier scheint die Sonne wieder ungetrübt.
Das Leben kann schon schön sein, noch dazu wenn man ein Handy hat und mit seinem Schwager bereits 2 Stunden später eine Klettertour an den Barmsteinen vereinbart. Also nichts wie hinein in den 20 cm Pulvertraum. Doch bereits nach den ersten beiden Schwüngen kracht es ordentlich unter den Schi. Das Hocheck hat nämlich die Eigenschaft, dass es durch seine Exposition dem Wind sehr ausgesetzt ist und somit erst im Frühjahr genug Schnee zur Befahrung hat. Nur leider brauchte es dieses Jahr sehr lange, bis sich Schnee halten konnte und so waren die ersten 400 Hm ein Eiertanz zwischen tiefem Pulver und hohen Steinen. Aber dann passte die Unterlage und genussvoll ging es zum Bike.
Der Blick zurück in einer Schneerosenwiese lädt noch zum Verweilen ein und schon rattere ich talwärts. Pünktlich um 12.00 treffe ich Michael in Schellenberg, das Kletterzeug wird sortiert und die „Alte West“ am großen Barmstein ist der krönende Abschluss des heutigen Tourentages.
Zufrieden mit mir und der Welt kann das weitere Wochenende kommen.

Walter

Letztes Wochenende war es wie alle Jahre wieder soweit und wir  trafen uns am Freitagabend zum gemütlichen Abendessen und zur Tourenvorbesprechung in Sand in Taufers. Am Samstag marschierte dann der gemütliche Teil der Gruppe auf das Gorner Joch und genoss dabei neben interessanten Schneesorten auch jede Menge Sonne und Geselligkeit. Der zweite Teil der Gruppe startete vom GHF Säge im Reintal auf den Schneebigen Nock. Ab der Waldgrenze erwartete  uns dann noch erstaunlich guter Pulver, welcher sogar noch etwas Spurarbeit erforderte. Das letzte Stück zum Schidepot war wie gewöhnlich vom Wind bestens präpariert. Nachdem wir dann noch die letzten Meter zu Fuß zum Gipfel zurück legten erwartete uns ein perfektes Gipfelpanorama vom Hochgall über die Dolomiten bis zu den hohen Zillertalern. Die Abfahrt war dann, wie bereits im Aufstieg auszumalen, bis zur Waldgrenze ein wahrer Hochgenuss.
Am Sonntag marschierten wir dann fast alle gemeinsam nach einem verregneten Morgen von Ellen auf den Burgstall. Als Ausklang kehrten wir dann noch im ausgezeichneten Berggasthof Häusler ein. Alles in allem ein wunderbares erholsames Tourenwochenende im schönen Südtirol.

Andi Schinner

Tourendatum: 25.-26.2.2012

Roßkopf

Nach der netten gestrigen Tour musste natürlich auch der letzte Schönwettertag vor dem nächsten Schneefall perfekt im erweiterten Wohnzimmer genützt werden. Da auf den Platten bereits ein Zugang wie fast am Glungezer war suchte ich mir lieber einen ruhigeren Gipfel Tal einwärts aus. Zu meinem Erstaunen erblickte ich bereits einen Einzelkämpfer bei der Spurarbeit. So folgte ich der Spur teils mit Schi und im oberen Teil großteils schitragend bis zum Gipfel wo ich dann den Sepp traf. Danke fürs Spuren!! Nach einer kurzen Stärkung begannen wir im super steilen Pulver! die Abfahrt. Sogar die spannende mit einer offenen Randkluft gespickte Schlüsselstelle ließ sich mit einem kleinen Sprung mit Schi passieren. Danach war es ein wahrer Höchstgenuss bis ins Tal zu schweben. Alles in allem eine absolut geniale Tour von der zur Nachahmung dringendst abgeraten wird!

Andi Schinner

Tourendatum: 18.1.2012

Großer Bettelwurf

Nachdem sich der Schnee der letzten Tage endlich wieder ausreichend gesetzt hatte war es wieder Zeit für eine Tour ins erweiterte Wohnzimmer. So starteten Georg, Stefan und ich letzten Dienstag zeitig in der Früh bei zum Glück leicht bewölktem Himmel ins Halltal. Zügig ging es zuerst zur Bettelwurfhütte wo uns dann auch die Sonne einen ersten Besuch abstattete. Danach hatten wir sogar die Ehre über den bekannten Weg bis zum Gipfel zu spuren. Der Spitzkehrenzähler hat bei diesem Aufstieg wieder einmal eine neue Höchstmarke erreicht.  Nach einer kleinen Pause bot die Abfahrt im oberen Teil bis auf Hüttenhöhe noch annähernd pulvrige Verhältnisse. Der Rest ins Tal hatte dann fast alle Schneesorten zu bieten. Nachdem ich im Sommer mindestens jede Woche einmal den Abstieg zu Fuß genoss, war es trotzdem ein richtiger Genuss vom Bettelwurf zumindest einmal im Jahr mit Schi abzufahren.

Andi Schinner

Tourendatum: 17.1.2012

Das südliche patagonische Inlandeis mit einer Länge von 400km, einer Breite von 40-60km, erstreckt sich über eine Fläche von 1350km² und ist somit die größte Eisfläche der Erde im gemäßigten Klima. Um eine Vorstellung von der Ausdehnung dieser Eisfläche zu erhalten, genügt ein Vergleich mit den Alpengletschern: Ihre Gesamtfläche beträgt ca. 3500km² Etwa in der Mitte der Nord-Süd Achse des Eisfeldes liegen am Ostrand die berühmten Felsgestalten des Fritz Roy und des Cerro Torre mit ihren Trabanten. Unser Ziel war die Begehung des Eisfeldes vom Passo Marconi bis zu Passo del Viento, mit der Besteigung des Cerro Mariano Moreno, der sich ca. 30km Luftlinie südwestlich vom Passo Marconi befindet und von Walter Bonatti 1958 erstbegangen wurde.

26.11.: Es ist kurz vor 22Uhr und noch immer taghell, nach 1200 Flugkilometern sind wir von Müchen über Madrid mittags in Buenos Aires gelandet und von dort nach einem 3 stündigen Flug in El Calafate angekommen. Zum Einstand geht’s gleich in eine Barrilada. Bei Grillfleisch und fainoser Rotwein genießen wir die argentinische Gastfreundschaft.

27.11.: Nach einer 200km langen Busfahrt kommen wir in Chalten an. Heute ist Proviant Ausfassen und Rucksackpacken angesagt. Es ist immer schwierig das richtige Maß an Verpflegung für die bevorstehenden Tage zu finden. Ich verlasse mich nach wie vor auf das Altbewährte und Erprobte: Hartwurst, Speck, Bündner Fleisch, Parmesan, Schüttelbrot und viele Suppen. Die Verlockungen des angebotenen Proviants sind groß und obwohl mit klar ist, dass alles selbst getragen werden muss, nehme ich iel zu viel mit. Letztlich wiegt mein Rucksack ohne Schi 27kg.

28.11.: Unser Tagesziel ist das Campamento La Phayita am Lago Electrico. Ein Bus bringt und zu unserem Ausgangspunkt am Rip Electrico. Wir befinden uns im Parque National Los Glaciares und es ist beeindruckend durch einen Urwald von immergrünen Südbuchen zu wandern. Wir erreichen den letzten Vorposten der Zivilisation das Rifugio Padre del Fraina. Eine kurze Rast um die Schultermuskulatur etwas auszuspannen und weiter geht’s über mächtige Seitenmoränen zu unserem heutigen Lagerplatz. Die Zelte sind durch eine Felswand vom Starkwind geschützt. Gegen 21Uhr verziehen sich die letzten Wolken und der Blick zur Nordseite des Fritz Roy wird frei. Im flachen Abendlicht kommen die Konturen dieses Feld Kolosses noch besser zum Vorschein. Ein unvergessliches  Erlebnis.

29.11.: Heute haben wir eine sehr anstrengende Etappe hinauf zum Passo Marconi und ein Stück weiter zu bewältigen. Über unwegsames Geröll kommen wir zum Nördlichen Mariconi Gletscher. Zuerst ein Stück zu Fuß, dann können wir endliche mit den Schiern weiter. Über ein Steilstück kommen wir in flaches Gelände. Schließlich erreichen wir das Depot mit unseren Schlitten und Zelten, Welche 4 Helfer für uns erreichtet haben. Endlich der Rucksack on den Schultern! Das Schlittenziehen, das ich vor 5 Jahren bei der Durchquerung des nördlichen patagonischen Eisfelder kennen gelernt habe, stellt eine immense Erleichterung dar. Am Pass, der wie eine Düse wirkt, weht ein stürmischer Wind. Das erste Mal können wir einen Blick auf das Inlandeis werfen, die Dimensionen sind gewaltig und nur schwer zu ermessen. Ein Stück unterhalb des Passes wird das Lager aufgeschlagen. Das heißt vorerst eine 1,5m hohe Schneemauer bauen, die uns vor Sturm und Wetter schützen soll. Dann das Zelt aufstellen, Kochen und hinein in den Schlafsack.

30.11.:  Der Aufbruch wäre für 8Uhr geplant gewesen, doch es weht ein derart stürmische Wind, dass wir erst gegen 10Uhr losmarschieren. Zielrichtung Südwest-Cerro Mariano Moreno. Es ist leicht bewölkt und wir kommen zügig voran. Das erste Mal können wir einen Blick auf den phantastischen, Schnee und eisgekrönten Cerro Torre werfen. Am frühen Nachmittag wird der Starkwind zum orkanartigen Sturm. Böen mit 100kmh drohen einen umzuwerfen. Bei diesen Bedingungen können wir nicht mehr weitergehen. Wieder beginnt der Aufbau einer Schneemauer und das Ausheben eines Grabens für unsere Zelte. Diesmal bei widrigsten Bedingungen. Es hat nämlich Plusgrade und de Sturm schleudert einem den Triebschnee mit derartiger Wucht entgegen, dass auch die beste, als Wind und Wetterfest angepriesene Ausrüstung der Gewalt nicht standhält. Die Folge ist, dass wir allesamt bis auf die Haut patschnass sind. Ich wünschte mir jetzt den Experten einer Erzeugerfirma der diversen Top Marken an Ort und Stelle. Mit dem Slogan „ Absolut wind und wasserdicht“ sollte man etwas vorsichtiger umgehen…. Sobald wir im Zelt sind beginnt das Trocknen unserer Kleidung und vor allem der Schuhe über dem Gaskocher. Gegen Mitternacht ist endlich Nachtruhe angesagt.

1.12.: Gott sei Dank hat sich der Sturm gelegt. Unsere Zelte sind gegen die Schneemauer hin komplett mir Flugschnee zugedeckt. Wieder schaufeln! Den ganzen Tag verbringen wir mit dem Trocknen der Bekleidung. Das geschieht auf Reep Schnüren, die wir zwischen den Schiern verspannt haben. Das Wetter hat sich beruhigt und kurzzeitig kommt die Sonne heraus. Wir liegen genau westlich vom „Circo de nos Altares“ – eine fantastische Landschaft. Wie Orgelpfeifen schießen die Granit Monolithen in den Himmel, gekrönt von aberwitzigen Eispilzen.

2.12.: Um 4Uhr Früh beginnt die Kocherei; um  5:20Uhr ziehen wir los in Richtung Cerro Mariano Moreno. Das wir vorgestern wegen des Sturms unser Tagesziel nicht erreichen konnten, müssen wir heute ordentliche Horizontal Distanzen zurücklegen. Im Osten verzaubert die auf gehende Sonne die Landschaft in immer noch aufregendere Farben. Von Dunkelblau über Purpurrot bis Goldgelb reicht die Farb Palette. Nach 3 Stunden finden einen Durchschlupf am Fuße des „Pyramidenberges“ Unser Kurs Richtung NW, dreht ab nun auf SW Richtung. Das Wetter ist passabel, das Gelände vorerst sanft ansteigend. Richard, Thomas und ich gehen unser gewohntes Tempo und müssen immer wieder auf die Restmannschaft warten. Ca. 2 Stunden unterhalb des Gipfels gesellt sich Toma unser 2. Einheimischer Führer zu uns und wir können unser Tempo steigen. Das Gelände steilt sich auf, durch den vorgestrigen Sturm sind beinharte Windgangeln entstanden, teilweise schimmert Blankeis durch.  Toma, der schon einmal am Gipfel war, meint wir sollten uns mit dem östlichen Gipfel, der etwas niedriger als der Hauptgipfel ist zufrieden geben. Doch wir wollen doch auf den höchsten Punkt.

Wir sind schon oberhalb vom östlichen Gipfel und ca. 20-30 Höhenmeter vom Hauptgipfel entfernt, da bricht plötzliche starker Nebel ein. Wir warten ab und hoffen, dass es noch einmal auftut. Vergebens! Ein kräftiger Schluck Grapper und die Abfahrt beginnt. Toma voraus, in einer Hand das GPS; lotzt er uns von einem Weg Punkt zum nächsten. Wind ist aufgekommen, zum Nebel kommt noch der Triebschnee, ständig sind die Brillen von Wassertropfen überzogen. Bei diesem „Blindflug“ verfangen sich meine Schispitzen bei einem Windgangl. Ich mach einen Salto und lande auf der linken Schulter – Ein stechender Schmerz – Schulter ausgekegelt, Rippen geprellt. Thomas und Richard sind sofort bei mir. Schi uns Rucksack werden mit abgenommen, ein Widerlager am Hang herausgestampft. Ich lehne mich mit aller Kraft gegen den Hang. Thomas als Orthopäde mein genialer Helfer, und Richard ziehen mit Leibeskräften an meinem Arm. Klaks – das Schultergelenk ist wieder an Ort und Stelle. Ein paar ordentliche Schluck Grappa, dazu ein paar Schmerztabletten und weiter geht der Abstieg; Richard nimmt meinen Rucksack; gleich treffen wir auf den Rest der Gruppe. Gemeinsam geht’s in der Nebelsuppe talwärts. Von Weg Punkt zu Weg Punkt. Ohne Nebel hätten wir eine Traum Pulverabfahrt! Wir kommen zu einer Spaltenzone – Anseilen – Endlich ein erlösender Aufschrei, wir haben den Durchschlupf beim „Pyramidenberg“ gefunden. Es ist 20:15Uhr Wieder am Inlandeis lichtet sich der Nebel, eine Strecke von 38km Luftlinie liegt hinter uns. Wir haben einen argen Flüssigkeitsmangel, literweise Tee wird gekocht.

3.12.: Das Wetter ist passabel, kaum Wind. Unser heutiges Tagesziel ist der „Ciro del los Altares“. Das Schlittenziehen funktioniert auch mit meiner angeschlagenen Schulter recht gut. Ich eile der Gruppe voraus und genieße die Einsamkeit in dieser grandiosen Landschaft. Nach ca. 14km erreichen wir einen Taleinschnitt am Fuss des Cerro Torre. Der Schnee ist aufgeweicht und die Schneemauer rasch erreicht. Leider verhüllt sich der Cerro Torre mit Nebel.

4.12.: Aufbruch gegen 8:00Uhr Wetter gut. Diesmal haben wir starken Rückenwind, der uns zeitweise ohne eigenes Zutun vorwärts schiebt. Unser Tagesziel ist das Biwak Los Esquies. Wir verlassen das Eisfeld un kommen zu einer riesigen Seitenmoräne. Am frühen Nachmittag ist der Biwakplatz erreicht. Diesmal schützen uns Steinmauern vor den immer Stärker werdenden Wind. Der Starkwind mausert sich wieder zu einem ausgewachsenen Sturm. Günther rät uns, unsere Ausrüstung im Rucksack zu verstauen, im Fall, dass die Sturmböen das Zelt zerreißen.

5.12.: Es ist immer noch windig. Vorbei an kleinen Gletscherseen, geht’s auf der riesigen Seitenmoräne ständig auf und ab. 400 Höhenmeter führen Steigspuren hinauf zum Passo del Viento. Kurze Rast und weiter dem Campamento Laguna Toro entgegen. Mehrere Flussarme versperren und den Weg zum Lagerplatz. Hosen hinauf gekrempelt und gut knietief hinein in’s  kalte Wasser. Kurz darauf kommen wir zu den ersten Südlücken. Das Lager im Wald ist erreicht. Im letzten Sonnenlicht verzehren wir unsere Proviant Reserven. Die Wetterprognose meldet für morgen Sturm mit 100kmh..

6.12.: Ohne Hast bauen wir unser Zelt ab. Gegen 10Uhr kommen 2 Treiber aus Chalten mit 6 Tieren. Die lieben Tiere werden den Großteil unserer Ausrüstung nach Chalten transportieren. Der vorhergesagter Sturm ist Realität. Das Wasser des Rio Tunel wird abgehoben und zerstreut. Weiter Tal auswärts können wir das einmalige Schauspiel erleben, wie das Wasser eines Wasserfalls nach oben geweht wird. Kaum zu glauben aber wahr! Wir überqueren einen Pass und tauschen wieder in urige Südbuchenwälder ein. Starkregen beginnt. Gegen 17Uhr kommen wir in Chalten an. Nach 9 Tagen in Urlandschaft ist das plötzliche Zusammentreffen mit der Zivilisation, mit dem Autoverkehr, mit dem Getriebe ein leichter Schock. Um diesen Übergang besser zu verkraften, gehen wir so wie wir sind in die erstbeste Kneipe und geben uns dem Bierglas hin.
Die vergangenen Tage intensivsten Erlebnis werden schon zur Erinnerung…

Peter Konzert

Hochstadel Nordwand

Die anscheinend höchste Felswand Österreichs wirft mittlerweile schon einen langen Schatten in den Lienzer Talboden – Grund genug den Sonnenverdunkler etwas näher zu betrachten. Leider ist der Zustieg zur Wand durch den Lavanter Graben langwierig, aber wenn die Schlüsselwörter Mayerl und Berg fallen, verleiht so mancher Bauer dankenswerterweise seine Schrankenschlüssel, damit man als echter Bergsteiger allradgetrieben bis zum Wandfuß fahren kann.
Das erste Drittel der Wand ist recht schnell geschafft. Über noch apere Schrofen, Rinnen und Bänder zuerst rechts dann links bis zum Beginn der Hauptschwierigkeiten. Hier wird schnell klar, dass die Sonne schon einige Wochen nicht mehr in die Wand schien – Griffe und Tritte sind mit einer zentimeterdicken Eisglasur mit Puderzucker verziert. Auf den nächsten grob 800 Höhenmetern gibt es also genug Gelegenheit das Klettern mit Steigeisen zu erlernen. Wo man sich im Sommer über einen flotten Dreier freut, scharrt man jetzt mit den Steigeisen über den vereisten Fels. Für fünf, sechs Längen binden wir uns ins Seil, bis wir die Gipfelschlucht erreichen. Über Lawinenknollen, Kamine und Klemmblöcke stapfen wir weiter. Mit jedem Meter nimmt die Schneehöhe deutlich zu. Frau Holle hat ihre Betten am Nationalfeiertag offensichtlich am Hochstadel ausgeschüttelt. Nach Erreichen des Wandbuches wühlen wir im feinsten Pulverschnee über die Ausstiegsbänder nach links auf den Gipfelgrat. Bis zur Hüfte versinken wir an den letzten aber mühsamen Aufschwüngen. Als Lohn empfängt uns dafür nach knapp sieben Stunden Schrubben und Spuren endlich die Sonne am Gipfel.

Sepp Mayerl jr. und Rainer Prinz

Tourendatum: Weltspartag 2011

Noch schnell das schöne Wetter vor dem 1. Wintereinbruch nützen. Doch wer hat an einem Donnerstag Zeit? Gut wenn man genug Leute kennt und so fällt mir Hubi Lienbacher ein. Gerade erst vor kurzem besser kennen gelernt  klärt ein kurzes Telefongespräch  alles weitere für einen perfekten Tag.
Als einer der wichtigsten Erschließer in diesem Gebiet kennt er natürlich sämtliche modernen und schweren Routen wie seine Westentasche. Seile müssen auch nicht zum Einstieg geschleppt werden, denn die sind in allerlei versteckten Höhlen deponiert und so können wir, nach einem Frühstück auf der Mitterfeldalm, mit raschem Schritt der Torsäule entgegeneilen. Der Hiatabua ist eine von Hubis Kreationen und er verspricht besten Fels mit verlässlicher, aber sportlicher Absicherung.
Und dann geht alles Ruck-Zuck. Ob V oder VII+ ist völlig Einerlei, man merkt bei Hubis Klettergeschwindigkeit keinen Unterschied. Wie ein Spaziergang wirkt das Ganze und so etwas steckt natürlich an. Noch nie ist mir das Klettern auf den Platten so leicht gefallen wie heute. Nach 2 ½ Std. sind wir schon wieder am Einstieg zurück und nach einer kurzen Jause  geht es an die 2. Tour.
Der Richi-Pfeiler ist von seinem Freund Chris Bogensberger und sucht elegant aber schwer die natürlichsten Möglichkeiten durch die sonst völlig glatte Wand. Bei der leichteren 2. SL komme ich ein wenig zu weit links und somit in etwas brüchiges Gelände, aber Hubi merzt das sofort aus und hat rasch wieder die richtige Linie . Schon geht es wieder hurtig voran, doch kommt mir diese Tour etwas schwieriger vor als die Letzte. Kraftvolles piazen an kleinsten Schuppen lassen die Atemfrequenz steigen, doch dieser absolut perfekte Fels lässt kein Jammern zu. Einfach herrlich dieses hochturnen in der noch warmen Herbstsonne. Auch diese Tour ist inklusive Abseilen nach 2 ½ Std. absolviert und zufrieden geht es im Laufschritt wieder bergab.
Das Nußstangerl und der Kaffe sind an der Mitterfeldalm obligatorisch.
Wie leicht kann doch das Leben sein!

Walter

Tourendatum: 6.10.2011

Eine erlesene Schar von sechzehn Karwendlern (samt Frauen und Kinder) traf sich samstagabends auf der Zufallhütte im Martelltal, wo es sich nicht nur ausgezeichnet essen, sondern auch trinken lässt. Während die ganz Jungen, die ganz Alten und die ganz Betagten den herrlichen Herbsttag in den Tallagen genossen, zog eine Gruppe von neun Unerschrockenen hinein Richtung Langenferner (irreführender Name) und bald rechts hinauf zur Butzenspitze. Die Oktobersonne zeigte nochmals ihre volle Kraft und heizte uns an den südseitigen Hängen mächtig ein. Nach dem mühsamen Gipfelhang durch Geröll und Schnee war das Panorama eine Genugtuung: König, Zebru, Ortler zum Greifen nahe, dazu Cevedale, Palon de la Mare, Tresero, Vertain, Angelus, Zufritt, weiters Linard, Buin, Sesvenna, die Zillertaler und Venediger, Pala und Brenta. Inmitten dieser erhabenen Gipfel wurde dem Tourenwart noch ein Geburtstagsständchen gesungen, bevor der Abstieg zur Hütte erfolgte.

Rainer Prinz

Tourendatum 16.10.2011

Barthgrat

Weil Jakob in zwei Wochen seinen Lebensmittelpunkt für eineinhalb Jahre nach Chile verlegt, musste noch eine Tour aus den Top-Ten der Wunschliste abgehakt werden. Also mit dem Zug nach Scharnitz und weiter mit dem Fahrrad ein gutes Stück hinter die Mösl Alm. Dort nahmen wir uns bei Sonnenaufgang noch die Zeit für ein stattliches Stück Mohntorte und ein großes Glas Kakao. Bestens gestärkt stiegen wir durch „die Porten“ ins Kar „In den Flecken“ und über endlose Grasschrofen auf den Großen Katzenkopf, wo der Barthgrat ansetzt. In herrlicher und luftiger Kletterei über den ausgesetzten Grat auf die Mittlere Jägerkarspitze, wo Jakob plötzlich zwei Dosen Bier aus dem Rucksack zauberte, welches bestens mit einer Tafel abgelaufener Chili-Schokolade und dem atemberaubenden Panorama harmonierte. Hinunter über die Südliche Jägerkarspitze zu „den Porten“ und mit dem Rad flott zum Bier in der Mösl Alm.
Ein paar Bemerkungen zum Grat, da man allerhand (Schauer)Geschichten liest und hört: Natürlich könnte die Führerbeschreibung ausführlicher sein, aber die Linie ist ja wirklich nicht zu verfehlen. Obwohl ungemein viel Schutt herumliegt, ist der Fels fürs Karwendel recht fest. Klingt komisch, ist aber so. (Vielleicht sollte mal jemand mit einem Besen …) Die Kletterstellen sind nicht schwerer als III, verlangen aber beherztes Steigen. – Ein typischer Karwendelgrat.

Rainer und Jakob

Tourendatum:  02.10.2011

Einmal anderen Fels, als den des Hochkönigs zu streicheln, war mein Gedanke. Der Sommerstein als frei stehender Zapfen bietet sich als gute Alternative an.
Von Maria Alm führt eine zunehmend schlechte Forststraße zu einem kleinen Parkplatz und da offensichtlich viele dort auch Platz finden möchten kann man schöne Einparkmanöver beobachten.
Eine anfangs sehr eintönige, aber steile Schotterstraße führt zu einem steilen Steig, über den man eigentlich ziemlich rasch zum Einstieg gelangt. Leider bringt unser flotter Schritt heute keinen Vorteil. Die SSW-Wand liegt um halb zehn noch im Schatten und es ist noch ordentlich frisch. Somit verbringen wir über eine Stunde mit warm halten und Routenstudium. Um ¾ elf allerdings sind unsere Nerven am Ende und Peter steigt ein.
Mit VI+ und VII+ geht’s gleich ganz ordentlich zur Sache und er muss sich zum Händeaufwärmen mehrmals in die Sicherung hängen. Dabei wäre diese Seillänge bereits eine wirklich schöne Kletterei, sehr steil und bombenfester Fels mit rauen Schüppchen. Die 2. SL ist bereits in der Sonne und somit beginnt eine wirklich schöne Tour. Anhaltend steil und schwer, gut gesichert und tlw. perfekter Fels.
Die Schlüsselseillänge fällt an mich. Ein Quergang, gut gesichert, sodass auch mal in die Sicherung gegriffen wird. Doch dann plötzlich: kein Haken mehr und eine extrem ausgesetzte Quergangsstelle. Kleinste Rauhigkeiten sollten den Füßen halt geben, aber immer wieder rutschen sie ab. Ein Sturz würde mit einem Pendler enden, allerdings unter den Quergangsüberhang und Prusikschlingen habe ich nicht dabei. Ein Versuch nach dem anderen misslingt. Da entdecke ich eine kleinste Sanduhr, die allerdings  an der dünnsten Stelle offen ist. Aber eine Bandschlinge hochkant genommen könnte halten. Geschafft. Sicherung eingehängt und ein erneuter Versuch beginnt. Bis auf 20 cm komme ich an einen mutmaßlich guten Griff weit links und Schwupps! schon rutsche ich wieder zurück. Auch in die Schlinge steigen hilft nicht weiter. Nach einer guten halben Stunde liegen nun die Nerven blank. Schimpfend denke ich mir, na dann eben gerade hinauf und siehe da, ohne größere Probleme ist die Stelle gemeistert.
Alles weitere ist wieder begeisternde Kletterei. Besonders die vorletzte Länge mit VII- bietet senkrechten bis überhängenden Fels mit einem Henkel nach dem anderen. Ein Traum.
Vom Gipfel sind wir in 10 Minuten beim Riemannhaus und der Abstieg gestaltet sich durch ein Wettrennen mit einem Wanderer, der es uns offensichtlich zeigen wollte, sehr kurzweilig. Allerdings wurde es uns mit den schweren Rucksäcken dann doch etwas zu blöden und überließen ihm den Sieg.

Walter

Tourendatum: 24.9.2011