Simonyspitze (3481 m) | Mittl. Malhalmspitze (3364 m)

Wie bereits länger geplant rollen wir, Robert W., Andi A., Markus G. und Kay H., am Freitagnachmittag durch den Felbertauerntunnel, biegen aber aufgrund der doch mageren Schneelage weiter im Süden sogleich ins Virgental ab und fahren bis zum Talschluss nach Ströden. Der Schneefall der vergangenen Nacht hat alles in ein dünnes, weißes Kleid gehüllt. So geht es froher Erwartungen an den Aufstieg zur Essener-Rostocker Hütte. Für die letzten Meter braucht es noch kurz die Stirnlampe. Darauf folgt ein reichlich gut bewirteter und geselliger Abend samt später Hüttenruhe.
Am nächsten Morgen zieht noch ein frischer Westwind um die Hütte, was angesichts der recht kurzen Nacht aber nicht von Nachteil ist. Am Simonysee spürt man die Böen aus Richtung des Reggentörls allerdings merklich. Wir ziehen dann doch die geschützten Hänge direkt über das Simonykees vor. Bereits beim Spuren wird uns bewusst, dass uns eine unerwartet pulvrige Abfahrt bevor steht. Im oberen Teil des aufsteilenden Gletschers gilt es noch die Randkluft zu überwinden. Als wir den Gipfel der westlichen Simonyspitze erreichen hat sich der Wind gelegt, und wir können den aussichtreichen Rundblick von den bayrischen Voralpen bis weit in die Dolomiten genießen. Der nächste Genuss folgt sogleich, denn der locker im Windschatten abgelagerte Schnee hat sich gut gehalten. Über ideale Hängen und kürzere Steilstufen geht es auf direkten Weg zurück zur Hütte. Da angekommen werden wir von Hüttenwirt Thomas auf ein Neues mit Delikatessen von Apfelkuchen bis Schweinsbratl verwöhnt. Bereits auf dem Weg aufs warme Zimmer ist der Wetterumschwung deutlich zu vernehmen.
Der zweite Morgen verspricht wenig Genuss. Regentropfen sammeln sich am Fenster, und die Fahne steht ordentlich im Wind. Während einige der ohnehin wenigen Hüttengäste sich bereits auf den Heimweg machen, geben wir uns nicht so schnell geschlagen. Mit einem zweiten und gar dritten Kaffee in der Hand warten wir noch etwas ab, bis gegen 10 Uhr auch wir starten. Zwar geht es nicht wie geplant zum Großen Geiger, dafür, mit ähnlicher Taktik wie am Vortag, windgeschützt über die Ostseite der Malhalmspitzen. Bis auf 2700 m Höhe werden wir noch von Regenschauern begleitet. Dann geht der Niederschlag langsam in Schnee über. Am Gletscher beweist Andi im Nebel eine gute Orientierung, und so landen wir an einem gut geschützten Wandl direkt unter dem Gipfelgrat. Was uns als nächstes bevorsteht kündigt sich mit ordentlichem Geheule an. Wir ziehen die Steigeisen auf und mit dem Pickel in der Hand geht es auf den windumtosten Grat. Oft zum Innehalten gezwungen erreichen wir den Gipfel der Mittleren Malhalmspitze – diesmal mit eingeschränkter Aussicht, dafür nicht weniger Freude. Die Böen werden stärker, reißen dadurch allerdings auch Löcher in die Wolkendecke, und so können wir die Abfahrt über den Gletscher bei ganz ordentlicher Sicht in Angriff nehmen. Bereits wenige Meter unterhalb schiebt uns der Wind kurz quer zur Fahrtrichtung. Zurück an der Hütte stärken wir uns noch mit einer guten Portion Kasspatzln und einem letzten Stamperl vom lokalen – da Essener – Fruchtwasser, bevor es im späten Nachmittagslicht noch über die imposanten Lawinenkegel durch das Maurertal hinaus zum Parkplatz geht.

Robert W., Andi A., Markus G., Kay H.

Tourendatum: 21.-23.3.2020