Ciavazes, „Kleine Micheluzzi“, V-/Ao, oder Abklettern mit Genuß

Abklettern ist bei den Karwendlern angesagt und somit begebe ich mich auf den langen Weg nach Südtirol, um ein nettes Wochenende mit meiner Tochter Martina und dem Verein zu verbringen. Per Zug geht es in 1.50 Std. nach Innsbruck und Martina steht parat um mich im Auto aufzunehmen. Gefürchtete Staus am Brenner bleiben aus und so sind wir um 11.30 Uhr am Einstieg der „Kleinen Micheluzzi“. Kay und Robert sind schon früher in die Abramkante eingestiegen. Ich rufe Kay an um unser Kommen anzukündigen, aber er hat offensichtlich beide Hände voll zu tun und kann nicht ans Telefon gehen. So müssen wir unser Warten auf das Einsteigen anderwärtig vertreiben, denn 2 Seilschaften sind vor uns und die haben es offensichtlich nicht sehr eilig. Also packen wir unser Seil und marschieren links aufwärts zu einer Einstiegsvariante. Aber in dieser klettert eine 3-er Seilschaft. Also wieder runter und warten. Um 12.00 Uhr dürfen dann endlich wir starten. Ich lasse ein paar Minuten Abstand, aber ich kann gar nicht so langsam klettern, als dass wir schon wieder auflaufen. Wieder warten. Unterhalten kann man sich auch nicht, denn das Englisch der Vorsteiger ist so gut wie mein Italienisch. Nach der 4. Seillänge machen wir einen Zwischenstand und warten eine ¼ Stunde bis wir von unseren Vorsteigern nichts mehr sehen und hören. Aber man glaubt es nicht, nach 5 Minuten habe ich alle schon wieder eingeholt. Aber dann kommt unsere Chance. Die erste Seilschaft hat sich verstiegen und da die 2. auch nicht viel überlegt, ist auch diese in die Sackgasse geklettert. Gerade kommt einer wieder runter und macht am richtigen Standplatz Pause, schon schieße ich an ihm vorbei mit den Worten:“Mocht da eh nix!“. Er hat es wahrscheinlich nicht verstanden, denn es kommt zu keiner Gegenwehr. In meiner Euphorie bin dann ich zu weit nach rechts geklettert. Eine dubiose Schlinge in brüchigem Fels ist noch weiter rechts. Ich kann mich nicht entschließen, dorthin zu klettern. Noch dazu in meiner Vaterrolle. Gerade möchte ich umdrehen, da sehe ich 3 neue Haken links oben. Schaut schwer aus, aber was soll`s. Ich erreiche den 1. und würge ihn gemeinsam mit dem 2. und 3. Und schon bin ich an einem neuen Bohrhakenstand. Für Martina ist dieser kurze Ausflug in den Alpinismus allerdings nicht nervenschonend und mit einer kleinen Beule im Nervenkostüm erreicht sie schließlich auch den Standplatz. Unsere Verfolger haben inzwischen die Originalführe links von uns gefunden und mühen sich langsam aufwärts. Für uns gibt es nun aber kein Halten mehr. Rasch kann ich wieder in die Originalführe einfädeln. Nach der gelben Nische ist erneut alpinistischer Spürsinn gefragt, denn Haken gibt es nur einen und der ist sehr versteckt. Klettermöglichkeiten finden sich allerdings viele und zum Glück kombiniere ich richtig. Die letzte SL ist dann wieder klar und richtig nett und steil zu klettern. Martina findet ihr Gleichgewicht wieder und strahlend darf ich sie am Gamsband in Empfang nehmen. Nun habe ich Zeit, erneut Kay anzurufen und diesmal hebt er ab, denn die beiden sind ebenfalls gerade am Gamsband ausgestiegen. Rasch haben sie uns eingeholt und gemeinsam streben wir den Autos zu. Nach 1 ¾ Stunden erneuter Autofahrt erreichen wir dann unser Quartier, den Dorfnerwirt bei Truden. In gefinkelter, aber besonders durch engagierte Kleinarbeit, hat Olivia dieses tolle Landgasthaus gefunden und mit allerlei Köstlichkeiten konnten wir den Abend in Altersgemeinschaft von < 5 und > 80 Jahren ausklingen lassen. Nach einem Schlemmerfrühstück teilen wir uns wieder in eine Wander -und Klettergruppe auf. Wir Kletterer suchen den Klettergarten bei Mühlen ganz in der Nähe auf und ziehen uns vor einem Abschlußcapuccino nochmals die Finger lang, bevor ich meine 4 stündige Reise nach Salzburg antreten darf.
Danke an Alle und besonders an Olivia für dieses schöne Wochenende!

Walter​​​​​​​​

Tourendatum: 26.-27.10.2019