Hohe Tauern, Hocheiser, 3206 m

Fast 5 Wochen ist die letzte Schitour her. Irgendwie erhole ich mich nicht von der letzten Verkühlung und so kann ich leider Peter und Renate nicht durchs Krumltal auf den Hocharn folgen. Stattdessen quäle ich mich, Antibiotika gedopt, mit zahlreichen anderen Aspiranten in Richtung Hocheiser. Eine halbe Stunde sind die Schi zu tragen, dann geht es, mit unglaublich wenig Schnee, per Ski weiter. Hart gefroren ist der Niederschlag vom letzten Tag und damit auch die tiefen Spuren im Schnee. Ich versuche irgendwie einen Gehrhythmus zu finden. Die Oberschenkel sind ganz weich und doch ziehen mich die Beine fast automatisch aufwärts. Nur nicht zu schnell werden, sonst kommt das Beuschl dem Sauerstoffbedarf nicht nach. Eine angenehme Spur leitet zwischen die Felsen hindurch zur langen Querung. Ein überraschend kalter Wind lässt die Finger in den dünnen Handschuhen klamm werden, aber irgendwie kann ich mich zum Umziehen nicht überwinden. Womöglich kann ich dann nicht mehr weiter. Zum Glück beginnen nun auch die Knöchel, durch die ewige Quererei, zu Schmerzen. Nutzt nichts, die Beine ziehen aufwärts und der Rest des Körpers muss zwangsweise nach. Ab und zu kann ich jemanden überholen, offensichtlich geht es denen noch schlechter als mir. Nun geht es ums Eck und ich stehe am unteren Hocheiserkees. Die Sonne schmeichelt mir angenehm und lädt zu einer Jausenpause ein. Die Stelle ermutigt mehrere zum Verweilen. Ein Kommen und Gehen. Mit warmen Handschuhen und Primeloftjacke geht’s nun weiter. Das Wurstbrot tut seine Wirkung und nach 10 Minuten geht es besser. Von wegen Bioenergieriegel. Ein Klassiker hilft immer weiter. Nur nicht übermütig werden bei den Überholmanövern. Einer nach dem anderen kommt dran. Und dann, endlich der Gipfel. Nur 5 Mitbewerber sitzen da. Ich schummle mich in die erste Reihe und habe freien Blick auf Großglockner und all seine Geschwister. Beeindruckend und windstill. Ich bin nun eher doch schon etwas erledigt. Sowas kenne ich schon seit Jahren nicht mehr. Vielleicht ist doch auch das Alter schuld? Wie ich so dahin sinniere werfe ich mir noch schnell die zeitlich richtige Antibiotikagabe ein. Lecker! Noch ein kalter Schluck zum Runterspülen, Schischuhe zu und ab geht die Post. Leicht gepresster Pulver, teilweise noch unverspurte Flächen. Gar nicht schlecht. NW-seitig sieht die Sache dann anders aus. Ich bin zu früh dran. Alles hart mit gefrorenen Spuren. Man muss freie Flächen suchen, um im harten Firn abzuschwingen. Ich folge einem bayrischen Vorfahrer, der sich ganz gut zwischen den Felsen durchmogelt. Die Knöchel entlocken mir einen Juchizer, aber irgendwie komme ich doch runter. Nun noch eine knappe halbe Stunde tragen und das Auto hat mich wieder.
Herrlich die Annehmlichkeiten der Zivilisation.

Walter​​​​​​​​

Tourendatum: 9.4.2017