Glocknergruppe, Hoher Tenn, 3368 m

In Ermangelung eines Kletterpartners bin ich diesmal „leider“ zum Wandern gezwungen. Um das frühe Aufstehen nicht zu verlernen starte ich um 5.45 in Richtung Fuschertal. Am kleinen Wanderparkplatz der Gleiwitzer-Hütte wird das unauffällige Rucksäckchen geschultert und mit dem Allernotwendigsten wandere ich die langweilige Forststraße, mit gezwungen langsamerem Schritt, denn man will sich ja nicht gleich zu Beginn verausgaben, bergan. Mit 3 ½ Stunden ist der Hüttenanstieg angegeben, nach 1 Stunde betrete ich den eben Hirzbachalmboden und bin froh, dass die Kühe mit ihren Kälbern gut eingezäunt sind, denn am Kuhgatter werden sie als angriffslustig und womöglich sogar unberechenbar beschrieben!

Eine weitere Stunde später kommt ein erwartetes Gespräch auf der Gleiwitzer-Hütte mit dem rauschebärtigen Hüttenwirt zu stande: „ Was, mit de Schuach wüst du am Tenn— ? Womit denn sonst?— Ahhh, a Bergläufer! Nur a Wosserfloschn und a Handy in da Hand. —- Ich schaue dann zur Jause vorbei!“ rufe ich ihm noch zu und schon geht es im leichten Laufschritt eben zum Ochsenkar. Weit schaut es aus zum Gipfel und nochmals 4 ½ Stunden sind angegeben. Na da muss man am besten einmal Jausnen. In schönster Flora lasse ich mich nieder und genieße mein Jausenbrot, währenddessen dicke Bauschwolken allerlei Schauspiele in den Himmel und um die Gipfel zaubern. Doch leider kann ich mir nicht viel Zeit gönnen, der Weg ist noch weit. Im Aufstieg zur unteren Jägerscharte wird das Gelände rauer. Alter Gletscherschutt geht über in glatte Platten, welche mittels zahlreicher Eisenbügel kein Problem darstellen. Von der Scharte führt über eine aufgestellte Riesenplatte ein leichter, aber nicht wirklich angenehm angelegter Klettersteig zur oberen Jägerscharte . Immer wieder erinnern Gedenktafeln an Abgestürzte, was in dem sehr steilen Gelände auch nicht verwundert. Hier beginnt nun der Gleiwitzer Höhenweg, welcher immer ziemlich genau über den ansetzenden Grat verläuft. Nach kurzer Zeit betritt man den nördlichsten 3000er ( Kempsenkopf), aber da er so unbedeutend wirkt, schreibe ich mich auch nicht ins Gipfelbuch ein. Inzwischen frischt der Wind auf und die Gratschneide ist auch eine Wolkenscheide. Beeindruckende Schleier wirbeln links von mir, während sich zur rechten der Moserboden mit einem Kranz von 3000ern schmückt. Am Grat selbst muss man doch etwas konzentriert gehen, denn feiner Sand überzieht den Fels und ein Abgang würde wohl etliche 100 Meter tiefer enden. Immer wieder kommen Seilversicherungen und zum Glück schneide ich mir in einem unachtsamen Moment die Finger der linken Hand elegant in der Mitte auf. Aus Gewichtsgründen habe ich natürlich kein Pflaster dabei, aber ein festes in den Pulloverärmel drücken funktioniert auch. Allmählich überhole ich die morgendlichen Hüttenaufsteher. Vor der Klettersteig-Schlüsselstelle, einem 4 Meter, leicht überhängendem Aufschwung , liegen verstreut große Rucksäcke herum. Die Zugehörigen lassen mich bereitwillig vorbei und danach ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel . Dieser wird in leichter Kletterei erreicht und ich darf ihn nach insgesamt 4 ½ Stunden Gehzeit und 2400 Hm kurze Zeit für mich allein haben. Nacheinander treffen nun die anderen ein und vor lauter Berge-Heil und Händeschütteln kann ich kaum mehr mein restliches Jausenbrot fertig essen. Nach ¼ Stunde ist mein Sitzfleisch aufgebraucht und ich mache mich an den Abstieg, der leider genauso viele Höhenmeter hinunter geht. Eine kurze Nudelsuppenpause auf der Hütte und das Beweisen, dass auch mit dem Speed 3-Schuh eine Tennbesteigung möglich ist, unterbricht die Abstiegstortour. Trotzdem sind die Oberschenkel nach 3 ½ Stunden beim Auto butterweich.

Facit: auch nach einer Wanderung kann man etwas müde sein.

Walter

Tourendatum: 4.9.2016